Gedenktage

Willemijn Petroff-van Gurp

Willemijn Petroff-van Gurp
*7. November 2018

Am 7. November 2018 feiert Willemijn Petroff-van Gurp ihren 100. Geburtstag. Sie wurde in Den Haag als eines von 15 Kindern in eine streng reformierte protestantische Familie geboren. Zur Zeit des Einmarsches deutscher Truppen in den Niederlanden arbeitet sie als Sekretärin. Sie findet Anschluss an Widerstandsgruppen, liefert Lebensmittelkarten, fälscht Ausweispapiere und schmuggelt einmal Dynamit für die Nationale Hilfsorganisation für versteckte Personen.

Im Juni 1944 wird sie verhaftet. Über das Gefängnis Scheveningen und die Konzentrationslager Herzogenbusch und Ravensbrück kommt sie am 13. November 1944 mit einem Transport von 250 Frauen im Dachauer Außenlager AGFA-Kamerawerke im Münchener Stadtteil Giesing an. Dort beteiligt sie sich am 12. Januar 1945 an einer Arbeitsniederlegung. Der Streik der niederländischen Frauen, die damit gegen ihre Arbeits- und Lebensbedingungen protestieren, ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.

2013 haben zwei niederländische Schüler im Rahmen des Projekts „Namen statt Nummern“ ein Gedächtnisbuchblatt für Willemijn Petroff-van Gurp angefertigt. In der gleichnamigen Sonderausstellung „Namen statt Nummern – Niederländische Häftlinge im Konzentrationslager Dachau“, welche aktuell im Sonderausstellungsraum der Gedenkstätte gezeigt wird, ist ihr eine Vitrine gewidmet. Heute lebt die Jubilarin im niederländischen Baarn.

 

Willemijn Petroff-van Gurp

Ferdinand Hackl
2. Oktober 1918–10. Mai 2010

Allen, die ihn kannten, bleibt der Wiener Ferdinand Hackl als ein freundlicher, gelassener Herr in Erinnerung, der sehr detailgenau über die Vergangenheit erzählen konnte. Ein rotes Dreieck auf Metall und darüber die Häftlingsnummer 26196 behielt er vom KZ Dachau als „Souvenir“,  wie er es nannte.

Hackl schloss sich in jungen Jahren der kommunistischen Bewegung an und verließ Wien als 18-Jähriger, um am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Die Niederlage der Internationalen Brigaden zwang ihn, nach Frankreich auszuweichen. Dort wurde er interniert, nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Gestapohaft genommen und im Juni 1941 in das KZ Dachau gebracht. Hier konnte er dank seiner guten Kontakte zu anderen ehemaligen Spanienkämpfern in Arbeitskommandos vermittelt werden, die ihm ein Überleben ermöglichten. Über ein Jahr lang arbeitete er in der Schraubenfabrik Präzifix. Danach kam er in Außenlager im Allgäu und musste Zwangsarbeit bei der Firma Messerschmitt leisten. In Fischen wurde er befreit.

 Nach seiner Rückkehr nach Wien engagierte sich Hackl bald wieder in der KPÖ und setzte sich auch über seine Parteitätigkeit hinaus für das lebendige Andenken an die österreichischen Interbrigadisten und KZ-Häftlinge ein. Er war Mitglied der „Vereinigung österreichischer Freiwilliger in der Spanischen Republik“, die sich seit 1965 regelmäßig trafen. Als Schriftführer bei der österreichischen Lagergemeinschaft Dachau hatte er auch eine wichtige Position beim Internationalen Häftlingskomitee CID inne. Im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) war er bis Ende 2006 aktiv und lieferte dessen Mitarbeiter Hans Landauer zahlreiche biografische Informationenfür sein „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936–1939“.

Über all die Jahre hielt Hackl auch engen Kontakt zur KZ-Gedenkstätte. Er starb im Alter von 91 Jahren am 10. Mai 2010 in Wien.

Fotos: © KZ-Gedenkstätte Dachau