"Kein Haus"
Zur Architektur des Besuchergebäudes

Erläuterungen der "Florian Nagler Architekten":
Fotorealistischer Ausschnitt vom geplanten Besuchergebäudes

© Florian Nagler Architekten

Kein Haus, sondern einen Ort zu bauen, schien uns die richtige Herangehensweise an die schwierige Aufgabe, ein Besuchergebäude für die KZ-Gedenkstätte in Dachau zu entwerfen. Die großzügige und dennoch selbstverständliche und gelassene landschaftliche Gestaltung des neuen Zugangbereichs zwischen Parkplatz und Gedenkstätte ist so überzeugend gelungen, dass es uns fast unmöglich schien, das Gebäude direkt an oder auf den Gehbereichen anzuordnen.

Ganz bewußt haben wir deshalb auch darauf verzichtet, städtebaulich Bezug auf die umliegende Bebauung zu nehmen. Vielmehr fügt sich das Gebäude ganz harmlos in die neue Zugangssituation und deren Fassung mit "Baumwänden" ein und orientiert sich hinsichtlich seiner Lage eher an der Geometrie des Gehbereichs und den tatsächlich vorhandenen Bäumen. Dadurch, dass das Besuchergebäude erst in zweiter Reihe zu stehen kommt, bleibt die räumliche Wirkung der bestehenden Situation erhalten. Lediglich im Bereich der beiden Zugänge werden die Baumwände durchdrungen, das Unterholz gelichtet und die Bestandsbäume großzügiger aufgeastet. Das Gebäude wird langfristig gesehen zu einem integralen Bestandteil der Gehölzgruppe.

Das Problem, trotz der Lage an zwei verschiedenen Erschließungswegen einen eindeutigen Eingangsbereich zu formulieren, wird mittels eines gemeinsamen Eingangshofs, der auch zum Verweilen einlädt, gelöst. Von hier aus hat man Zugang zum Foyer und zum Buchladen. Die Gastronomie ist über das Foyer erreichbar und verfügt über einen eigenen, nicht einzusehenden Freibereich. Die Anlieferung für Gastronomie, Buchlager und allgemeine Lagerflächen erfolgt gebündelt, von der den Besuchern abgewandten Seite aus. Das Gebäude ist durchdrungen von mehreren kleinen Innenhöfen, die für natürliche Belichtung und Belüftung und eine angenehme Atmosphäre im Inneren des Gebäudes sorgen. Als zusätzliche Lichtakzente sind über den Theken Oberlichtbänder vorgesehen.

Eine einfache, jedoch präzise Ordnung vermeidet Probleme bei der Detailentwicklung und Materialfügung. Als Bodenbeläge sind auf einer massiven Bodenplatte, bzw. Kellerdecke mit Trittschalldämmung naturfarbene, zementgebundene Industriefußböden vorgesehen. Die tragenden Stützen und Wände sind aus weißlich grau lasiertem, sägerauhem Kantholz (Robinie) vorgesehen. Die Decken sind als glatt geschalte Sichtbetonflächen mit sandfarbenen Zuschlägen geplant. Aufgrund der ausladenden Vordächer und der massiven Böden und Decken ist vor den wenigen großflächigen Verglasungen kein weiterer Sonnenschutz erforderlich. Die Atmosphäre im Gebäude wird überwiegend von der Dialektik der sägerauhen Wandoberflächen (eventuell dezent farbig gefasst) und der glatten, matt glänzenden Böden, bzw. Deckenuntersichten geprägt.

Florian Nagler Architekten

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