Buchveröffentlichung "Für eine Zeit Dachauer..."

12 Menschen, 12 Schicksale, ein Ort
Dachau, den 16. Dezember 2009. Zwölf Männer und Frauen, aus zwölf verschiedenen Ländern, mit zwölf unterschiedlichen Biografien – und einer einzigen Verbindung: Sie alle wurden während der NS-Herrschaft in das KZ Dachau oder in eines seiner Außenlager verschleppt. Sie alle wurden so „... für eine Zeit Dachauer“. Der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau widmete elf Männern und einer Frau, stellvertretend für die über 200.000 Häftlinge, die zwischen 1933 und 1945 im KZ Dachau inhaftiert wurden, im Jahr 2005 eine Ausstellung. Zum 25-Jahr-Jubiläum des Vereins ist nun in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Dachau eine begleitende Broschüre erschienen.
Als „eindringlichstes Projekt“ bezeichnete die frühere Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Barbara Distel, den Beitrag des Fördervereins für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V. zum 1200jährigen Bestehen der Stadt Dachau im Jahre 2005. Pünktlich zum 25jährigen Bestehen des Fördervereins im Jahr 2009 ergänzt nun eine Broschüre dieses Projekt. Zwölf Monate lang prägte 2005 in jedem Monat je ein Gesicht die Stadtlandschaft – an den Litfasssäulen der Stadt Dachau waren Plakate mit Überlebenden des KZ Dachau angebracht. Zwölf Menschen, aus zwölf unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen lebensgeschichtlichen Hintergründen, die doch eines gemeinsam hatten: Ihre Inhaftierung im KZ Dachau.
Und hinter jedem dieser Gesichter steckt ein Schicksal, das es zu entdecken gilt. Wie das von Zygmunt Razniewski, dessen Portrait im Januar zu sehen ist. Als Schüler in Lodz verhaftet, wird er im Mai 1940 nach Dachau deportiert. Im Gegensatz zu insgesamt 7.903 anderen polnischen Häftlingen, die im KZ Dachau und seinen Außenlagern starben, erlebt er die Befreiung im April 1945 und kehrt in sein Heimatland zurück. Bis heute aber kennt er – wie viele andere – den Grund für seine Verhaftung nicht: „Ich weiß bis jetzt nicht, warum ich verhaftet wurde. In meinen Papieren steht, dass es eine Prävention war, bis jetzt steht da „Prävention“. Aber ich habe nie eine Vernehmung gehabt, nie. Niemand fragte mich, warum bin ich da, was habe ich gemacht?“
Oder die Geschichte von Hanna Birnfeld, die, in Jerusalem geboren, mit ihren Eltern als Kind in ihr Heimatland Ungarn zurückkehrt. Im Juni 1944 wird sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und überlebt – gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Tante – als einzige ihrer Familie die Selektion an der Rampe. Im August 1944 wird sie in ein Außenlager in Kaufering transportiert. Ende April 1945 wird das Lager geräumt und die Häftlinge auf die so genannten „Todesmärsche“ geschickt. Hanna Birnfeld überlebt die Torturen dieses Marsches und wird am 30. April in Buchberg bei Wolfratshausen befreit: „Wir zogen uns zurück in die Baracke und schwankten still zwischen Angst und Hoffnung. Die Zeit verstrich langsam, es dämmerte schon und plötzlich ein Panzer. Wunder über Wunder, die ersten amerikanischen Soldaten. Sie waren für uns wie Himmelsboten, Boten, die uns das Leben die uns die Freiheit brachten.“
Zwölf Lebensgeschichten in Kurzform sind nun in der Broschüre „Für eine Zeit Dachauer...“ gesammelt nachlesbar. Gemeinsam mit den Plakaten, deren eindringliche und berührenden Fotos von Sr. Elija Bo?ler stammen – aufgenommen bei Besuchen der Überlebenden an der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Die Broschüre ist unter info@foerderverein-dachau.de bestellbar.
In Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Dachau (Stiftung Bayerische Gedenkstätten)
Unterstützt von: Stadt Dachau
Weitere Infos unter: www.foerderverein-dachau.de
(Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V.)
Nicole Schneider
Tel. 0 81 31-8 33 03