Ankündigung der Tagung "SANIERUNG - REKONSTRUKTION - NEUGESTALTUNG" - Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten

Termin: 01.-03.Juni 2012

Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau mussten seit 1938 östlich des Schutzhaftlagers ein großes Wirtschaftsgebäude errichten sowie landwirtschaftliche Nutzflächen anlegen. Der „Kräutergarten“ war ein zentraler Bestandteil des SS-eigenen Unternehmens „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung” (DVA) und entstand im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Autarkiepolitik. Das als „Plantage“ bezeichnete Arbeitskommando war berüchtigt: Hunderte von Häftlingen kamen hier zwischen 1940 und 1942 ums Leben.

Das Gelände ist heute größtenteils überbaut, Gewächshäuser liegen brach, denkmalgeschützte Gebäude verfallen. Ausgehend vom konkreten Beispiel thematisiert die Tagung den generellen Umgang mit historischer Bausubstanz an Gedenkorten. Der Anspruch des authentischen Ortes ist durch Verfall und zunehmende Restaurierung der historischen Gebäude zu hinterfragen. Gleichzeitig sind Rekonstruktionen und Inszenierungen aus den 1950er oder 1960er Jahren inzwischen selbst historisch geworden.
Die Tagung beschäftigt sich mit den Gebäuden, die wie der „Kräutergarten“ früher, zwar zum Lagergelände gehörten, heute aber meist außerhalb der Gedenkstätten liegen und vom Verfall bedroht sind. Während die offiziellen Gedenkakte an zentralen Mahnmalen und Gedenkorten stattfinden, sind weite Teile der ursprünglichen Lagerareale zu „verlorenen Milieus“ geworden. Ihre Geschichte geriet in Vergessenheit, sie wurde verdrängt und durch Neubauten überformt. Warum sind diese „peripheren“ Orte nicht in die Gedenkstätten einbezogen? Wann ist ein Gebäude erhaltenswert? Wie und in welchem Umfang sollen verfallen(d)e Bauten restauriert werden? Was soll mit den nach 1945 entstandenen Rekonstruktionen geschehen? Und wie können historische Gebäude und Rekonstruktionen dem Auftrag der Gedenkstätten entsprechend genutzt werden?

 

Programm (kann hier heruntergeladen werden):


Freitag, 01.Juni 2012

11.00 – 13.00 h
Begrüßung

 • 
Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin KZ-Gedenkstätte Dachau
 • Karl Freller, MdL, Direktor Stiftung Bayerische Gedenkstätten
 •
Peter Bürgel, Oberbürgermeister Stadt Dachau
Einführungen 
Zum Umgang mit den Relikten des Konzentrationslagers Dachau
Dr. Gabriele Hammermann, KZ-Gedenkstätte Dachau

Denkmalpflegerische Anforderungen an den Umgang mit historischer Bausubstanz in Gedenkstätten
Generalkonservator Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Diskussion

Mittagspause

14.30 –16.15 h

Vortrag
Das bröckelnde Gedächtnis der Orte – Umbau, Erhalt oder Verfall von NS-Bauten in Flossenbürg und Nürnberg
Dr. Alexander Schmidt, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg

Die Entscheidung für Sanierung, Rekonstruktion oder Neugestaltung am Beispiel der Gedenkstätte Sachsenhausen
Prof. Dr. Günter Morsch, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Kommentar
Prof. Dr. Detlef Hoffmann
Universität Oldenburg

Diskussion

Pause

16.30 – 18.15 h

Vortrag
Experience the Authenticity
Dr. Piotr Cywinski, Gedenkstätte und Museum Auschwitz

Erinnern und Gedenken am historischen Ort – Gestaltungscharakteristika der Gedenkstätte Berliner Mauer
Dr. Axel Klausmeier, Stiftung Berliner Mauer

Kommentar
Prof. Dr. Harold Marcuse
University of California, Santa Barbara

Diskussion

Abendessen

19.30 – 21.00 h

Gespräch
Prof. Dr. Detlef Hoffmann
Universität Oldenburg
Prof. Dr. Harold Marcuse
University of California, Santa Barbara
Prof. Dr. Habbo Knoch
Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten
Dr. Gabriele Hammermann
KZ-Gedenkstätte Dachau

Moderation: Dr. Axel Doßmann
Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

Samstag, 02. Juni 2012

09.30 –10.00 h

Vortrag
Aktueller Bauzustand und Denkmalpflege im „Kräutergarten“
Axel Will, Architekt, München

Pause

10.30 – 12.30 h

Vortrag
„Verlorene Milieus“. Historische Areale im Umfeld der Gedenkstätte Ravensbrück.
Dr. Insa Eschebach, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

„Monumentale Unsichtbarkeit“. Zum Umgang mit den materiellen Spuren von Arbeit, Technik und Gewalt am Bunker Valentin

Dr. Marcus Meyer, Denkort Bunker Valentin

Kommentar
Dr. Alexander Schmidt
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg

Diskussion

Mittagspause

14.00–15.15h

Vortrag
Eine Gedenkstätte und ihre Inszenierung: wie man mit einem künstlerischen Ansatz Neugier, aber auch Verstehen fördern kann: die Saarbrücker „Neue Bremm“
Dr. Burkhard Jellonnek, Landeszentrale für politische Bildung Saarland

Rekonstruktion oder Sanierung des Bestandes? Der Umgang mit den historischen Gebäuden (vor und nach 1945) des ehemaligen Stalag X B Sandbostel
Andreas Ehresmann, Stiftung Lager Sandbostel

Kommentar
Prof. Dr. Habbo Knoch
Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten

Pause

15.30 – 17.00 h

Abschlussdiskussion
Leitung: Dr. Gabriele Hammermann
KZ-Gedenkstätte Dachau

 

Sonntag, 03. Juni 2012

10.00–13.00h
Führung zu den „peripheren Orten“ des KZ Dachau: Waldfriedhof und Leitenberg; Schießplatz Hebertshausen und Kräutergarten

Anmeldung: Bitte melden Sie sich bis zum 15.Mai 2012 im Tagungsbüro an. Das Anmeldeformular finden Sie hier.

Tagungsbüro: Dr. Aline Sierp, Tel:08131/66997-0; Fax:08131/ 2235; tagung@kz-gedenkstaette-dachau.de

Kosten: Die Teilnahme an der Tagung kostet für beide Tage 30 € (ermäßigt 20 €).

Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Dachau / Stadt Dachau

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Gabriele Hammermann, Dr. Dirk Riedel, Dr. Kay Kufeke

Veranstaltungsort: Max-Mannheimer-Studienzentrum / Internationales Juggendgästehaus Dachau Roßwachtstraße 15, 85221 Dachau, www.mmsz-dachau.de


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