Veranstaltung: "…ohne Freundschaft ist das Leben zwecklos" - Dem frühen Dachauer KZ-Häftling Eugen Kessler zum 100. Geburtstag

Bild von Eugen Kessler

Am Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 19 Uhr lädt die KZ-Gedenkstätte Dachau ins Besucherzentrum (Pater-Roth-Str. 2a) zur Veranstaltung "…ohne Freundschaft ist das Leben zwecklos" ein, die anlässlich des 100. Geburtstags des frühen KZ-Häftlings Eugen Kessler stattfindet. Begrüßung und Einführung durch Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau. Es sprechen Dr. Jürgen Müller-Hohagen, Dipl.-Psychologe und Psychotherapeut und langjähriges Mitglied im Vorstand des Vereins "Zum Beispiel Dachau" über seine Freundschaft mit Eugen Kessler und Ernst Antoni, Journalist, langjähriges Präsidiumsmitglied der Lagergemeinschaft Dachau und Funktionär im VVN auf Landes- und Bundesebene über Eugen Kessler als politischen Menschen. Im Anschluss werden Video-Ausschnitte aus einem Interview mit Eugen Kessler aus dem Jahr 1995 gezeigt. Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.

Eugen Kessler (24.02.1912 – 12.12.1999), ein gelernter und seit 1929 arbeitsloser Maler, tritt 1934 auf Vermittlung des Arbeitsamtes eine Stelle in Bad Wiessee an. Dort kommt er mit der verbotenen KPD in Kontakt. Im September 1935 nimmt ihn die Gestapo in sogenannte Schutzhaft, nachdem Kessler der Verteilung von KPD-Flugblättern bezichtigt worden ist. Ende November 1935 wird Eugen Kessler ins KZ Dachau überstellt.

Die erniedrigende Einlieferungsprozedur dort prägt sich ihm nachhaltig ein. Dagegen erlebt er die Solidarität unter den kommunistischen Häftlingen im Lager als große Erleichterung der Haftbedingungen. Letztere werden von Hans Loritz bei seinem Amtsantritt als Lagerkommandant im April 1936 deutlich verschärft: Die Verpflegung wird gekürzt, die Zählappelle werden verdoppelt, sämtliche Arbeiten müssen im Laufschritt ausgeführt werden und das Baum- oder Pfahlhängen wird eingeführt – eine Strafe, die auch Eugen Kessler über sich ergehen lassen muss.

Im Oktober 1937 wird Eugen Kessler aus dem KZ Dachau entlassen, mit Kriegsbeginn im Herbst 1939 zur Wehrmacht eingezogen und später im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt. Im Frühjahr 1945 läuft er zur Roten Armee über. Anfang 1949 kehrt er nach Deutschland und in seinen erlernten Malerberuf zurück. Gleich nach seiner Rückkehr meldet sich Eugen Kessler bei der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN) und tritt der Lagergemeinschaft Dachau bei, deren Vorsitz er 1975 übernimmt und 1990 altersbedingt aufgibt. Er bleibt Ehrenvorsitzender der Lagergemeinschaft und engagiert sich in den 1980er und 1990er Jahren verstärkt als Zeitzeuge. Ende 1999 stirbt Eugen Kessler im Alter von 87 Jahren.

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