Religiöse Gedenkorte
Station 12

Am Ende der Lagerstraße befinden sich die religiösen Gedenkorte. Die Gebäude, die hier in der Zeit des Konzentrationslagers standen, wurden zu Beginn der 1960er Jahre abgerissen. Zu ihnen zählten die Kleiderdesinfektion, Kaninchenställe einer Angorafellzucht, die Lagergärtnerei und das so genannte Lagerbordell, in dem Frauen aus dem KZ Ravensbrück zur Prostitution gezwungen wurden.
Todesangst-Christi-Kapelle
Direkt in der Mittelachse der Lagerstraße steht die katholische Todesangst-Christi-Kapelle, die als erstes religiöses Mahnmal 1960 auf Initiative des ehemaligen Häftlings und späteren Münchener Weihbischofs Johannes Neuhäusler gebaut wurde. Ihre Einweihung am 5. August 1960 im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses wurde zu einem wichtigen Signal für das Anliegen, am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkstätte zu errichten.
Die Kapelle bildet einen aufgebrochenen Kubus, der für den Architekten Josef Wiedemann ein Symbol für die Befreiung aus der Gefangenschaft durch Christus darstellen soll. Vor der Todesangst-Christi-Kapelle befindet sich noch eine Gedächtnisglocke, die täglich um 15:00 Uhr läutet.
Evangelische Versöhnungskirche
Die evangelische Versöhnungskirche links neben der Todesangst-Christi-Kapelle entstand auf Initiative von ehemaligen Gefangenen des KZ Dachau und wurde von Pfarrer Martin Niemöller, einem ehemaligen Sonderhäftling, am 30. April 1967 eingeweiht. Der Bau wurde vom Architekten Helmut Strifler entworfen. Er ist in den Grund der Gedenkstätte eingelassen und führt den Besucher unter die Oberfläche. Treppen führen nach unten in einen engen und dunklen Zugang, der sich in einen lichten Innenhof öffnet. Der gebrochene und unregelmäßige Grundriss des Gebäudes entzieht sich dabei bewusst der rechtwinkeligen Monotonie des Lagers.
Jüdische Gedenkstätte
Die jüdische Gedenkstätte rechts neben der Todesangst-Christi-Kapelle wurde am 7. Mai 1967 eingeweiht. Der Bau des Architekten Zvi Guttmann ist aus schwarzem Lavabasaltstein und führt wie auf einer Rampe in die Tiefe. Am tiefsten Punkt dringt jedoch Licht durch eine Öffnung in der Decke. Überragt wird der Bau von einer siebenarmigen Menorah aus Mamor, der aus Peki'in in Israel stammt. Der Ort Peki'in soll im Verlauf der Jahrhunderte immer wenigstens von einem Juden bewohnt gewesen sein, wodurch eine Kontinuität des Judentums symbolisiert wird. Im Inneren leuchtet das "Ner Tamid", das Ewige Licht. Die Geländer greifen das Bild des im Konzentrationslager allgegenwärtigen Stacheldrahtes auf und gemeinsam mit der Rampe stellt das Gebäude auf einer symbolischen Ebene eine Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden dar.
Kloster Heilig Blut
Unmittelbar hinter der Mauer liegt das Karmelitinnen-Kloster Heilig Blut, dessen Dächer über der Mauer zu sehen sind. Die Ordensschwestern sehen ihre Aufgabe an diesem Ort des Leidens und der menschenverachtenden Grausamkeiten im opfernden und sühnenden Gebet. Das Kloster kann durch einen Tordurchbruch durch den ehemaligen Nordturm betreten werden, die Kapelle steht für die Besucher offen.
Russisch orthodoxe Kapelle
Die Russisch orthodoxe Kapelle "Auferstehung unseres Herrn" befindet sich am Übergang vom ehemaligen Häftlingslager zum Krematoriumsbereich. Die Kapelle wurde am 29. April 1995 eingeweiht. Der Grundriss der aus Holzplanken errichteten Kapelle ist ein Oktogon und steht auf einem Hügel, der teilweise aus Erde aus der ehemaligen Sowjetunion aufgeschüttet wurde. Die Hauptikone im Inneren der Kapelle zeigt den auferstandenen Christus, der die Insassen des Lagers aus ihren Baracken durch das von Engeln geöffnete Tor herausführt.

Foto der Desinfektionsbaracke. Hier ließ die SS die Kleidung und Decken der Häftlinge desinfizieren. Unbekannter Fotograf, nach der Befreiung.

Fotografie des Areals mit den religiösen Gedenkorten aus dem Jahr 2007.

Todesangst-Christi-Kapelle