Neuigkeiten aus dem Archiv

Das Archiv und die
Sammlung der KZ-Gedenkstätte haben ihren Ursprung in der Initiative von
Überlebenden des KZ Dachau, die seit Ende der 1950er Jahre Material für eine
Ausstellung im ehemaligen Wirtschaftsgebäude zusammengetragen haben. Dabei
waren Kontakt und Austausch mit ihren ehemaligen Kameraden von zentraler
Bedeutung. Ihr Werk ist nicht nur die Grundlage unserer Sammlung zur Geschichte
des KZ Dachau, sondern auch zur Geschichte der Gedenkstätte.

Digitalisierungsprojekt
2016

Im Rahmen eines
von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanzierten,
gedenkstättenübergreifenden Projekts konnten im vergangenen Jahr über 30.000
Seiten aus den Nachlässen ehemaliger Häftlinge und Häftlingsorganisationen
digitalisiert werden. Damit wurde ein erster großer Schritt unternommen, dieses
wichtige Material dauerhaft zu sichern und zugänglich zu machen. Folgeprojekte
zur Digitalisierung weiterer Bestände sind erforderlich.

 

Ordner im ArchivNeues
Findbuch

Findbücher
und Datenbanken sind die wichtigsten Hilfsmittel zum Benutzen der Archive. Eine
Übersicht über die Bestände der KZ-Gedenkstätte vermittelt das Findbuch, das
künftig auch den Archivbesucher/-innen zur Verfügung steht. Nach einer
zweijährigen Projektphase wurden der Schriftgutbestand sowie die Fotosammlung
des Archivs, die auf einer Fläche von ca. 250 Metern gesammelt sind, gesichtet
und auf 350 Seiten inhaltlich zusammengefasst. Das Findbuch ist thematisch
geordnet und bildet die Struktur des Archivs ab. Neben den
Personen-Einzelakten, die zu Schwerpunkten „Häftlingsnationalitäten“,
„Häftlingskategorien“, „Außenlager“ und „Arbeitskommandos“ angelegt wurden,
bieten etwa die Materialien über medizinische Versorgung, über die
medizinischen Versuche, Verpflegung, Personalangelegenheiten, kulturelle
Aktivitäten oder „Schutzhaftunterlagen“ einen Einblick in den Alltag des Lebens
im KZ Dachau. Die Bestände zur Lager-SS, zu den Dachauer Prozessen und zur Geschichte
der Gedenkstätte sind noch in Vorbereitung.

Das Findbuch ermöglicht den Besucher/-innen
wie auch den Mitarbeiter/-innen der Gedenkstätte einen schnellen und
umfassenden Überblick über die thematische Struktur des Archivs sowie über
dessen Einzelbestände. Es beschreibt die Inhalte der Akten, verweist auf die
Herkunft und die Laufzeit des Materials und gibt dessen Umfang sowie den
Standort an. Der Nutzer erfährt auch, ob das Material im Archiv als Original
oder als Kopie vorliegt. Das Findbuch stellt eine wichtige Ergänzung zur
Archiv-Datenbank dar und erleichtert die wissenschaftliche Arbeit.

 

Überlebende,
Angehörige und deren „Schätze“

Auch im Jahr 2017 ist der Austausch mit
den Überlebenden des KZ Dachau und ihren Angehörigen für den weiteren Ausbau
der Archiv- und Sammlungsbestände von enormer Bedeutung.

Die Anzahl der Anfragen, die das Archiv
erreichen, nimmt stetig zu. Im Jahr 2016 waren es knapp 1.700. Der allergrößte
Teil kam dabei von Angehörigen ehemaliger Häftlinge. Unter ihnen war im
vergangenen Jahr auch eine junge Schülerin, die zur sechsten Generation der
Nachkommenschaft eines ehemaligen Häftlings aus der Anfangsphase des KZ Dachau
zählt. Oft wissen Nachkommen wenig bis gar nichts über ihre Angehörigen. Häufig
sind es die Relikte aus der KZ-Zeit, die sorgsam von Generation zu Generation
weitergegeben werden, die schließlich zu einer Anfrage bei der Gedenkstätte
führen. Immer wieder sind die Familien bereit, dem Archiv Material zu ihren
Angehörigen zu überlassen, meistens als Scans oder Kopien, manchmal aber auch
im Original. Ein wesentliches Ziel der Sammlungstätigkeit der Gedenkstätte ist
es, die ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau und seiner Außenlager in all ihrer
Vielfalt und Einzigartigkeit darstellen zu können und auf diese Weise die Menschen
hinter den „Nummern“ der SS sichtbar zu machen. Einige derartige „Neuzugänge“
aus dem Jahr 2017 sollen hier stellvertretend vorgestellt werden:

Neuerwerbungen

Notizbuch von FroidureNotizbuch von Édouard
Froidure (1899−1971)

Der
belgische Überlebende Édouard Froidure, ein Geistlicher aus Brüssel, notierte
die Namen, Geburts- und Todesdaten sowie die Adressen von Belgiern, die im KZ
Dachau gestorben waren. Es ist zu vermuten, dass er mit den Angehörigen zu
einem späteren Zeitpunkt Kontakt aufnehmen wollte. Diese Namenslisten sowie
weitere Notizen, die er in der Kladde hinterließ, waren für die Überlebenden
wichtige Beweisstücke. Damit wollten sie die Verbrechen im KZ Dachau festhalten
sowie ein Informationssystem aufbauen. Wir danken dem Generalsekretär des Comité
International de Dachau (CID), Roger de Taevernier, für die Übergabe des
Dokuments an das Archiv der Gedenkstätte.

 

Zeichnung von PorulskiZeichnungen von
Michał Porulski (geb. 1910− unbekannt)

Aus
dem Nachlass des polnischen Dachau-Häftlings Aleksander Wojno (1901-1999)
erhielt die Gedenkstätte originale Zeichnungen des ausgebildeten Zeichners und
Dachau-Überlebenden Michał Porulski. Sechs überlieferte Zeichnungen bilden die
menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und vor allem den brutalen Umgang der
Wachleute bei Vollzug der Lagerstrafen auf eindringliche Weise ab. Porulski,
der nach der Befreiung noch einige Zeit in Dachau geblieben war, fertigte auch
das sogenannte Dachau-Album an, das sich heute im Besitz der Tochter eines
jüdischen Überlebenden befindet.

 

Fotos: © KZ-Gedenkstätte Dachau

Zurück