Revision der Vitrinen im Schubraum

SchubraumBei
der Neukonzeption steht die Funktion des „Schubraums“ als Ort der inhumanen
Aufnahmeprozedur der Häftlinge im Vordergrund. Die SS befahl den neu
eingelieferten Gefangenen, sich nackt auszuziehen und ihre Kleidung sowie alle
persönlichen Gegenstände abzugeben. Häftlinge, die in der SS-Verwaltung arbeiten
mussten, nahmen den Besitz der Neuankömmlinge entgegen und verzeichneten
diesen. Die neu eingelieferten Häftlinge erlebten im Schubraum den gewaltsamen
Verlust ihrer persönlichen Rechte und Freiheiten.

Aus den
Sammlungsbeständen des International Tracing Service (ITS), Bad Arolsen, und
der Gedenkstätte Yad Vashem, Jerusalem, sollen originale Häftlingseffekten
gezeigt werden. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Taschenuhren,
Schmuckstücke, Ausweispapiere oder private Fotos. Die Habseligkeiten werden zusammen
mit den biografischen Daten ihrer ehemaligen Besitzer in neuen Vitrinen
präsentiert. Zudem sollen historische Dokumente ausgestellt werden, die
Einblick in die bürokratischen Abläufe der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung der
SS geben. Es wird thematisiert, was mit dem Privatbesitz der Häftlinge nach
ihrer Einlieferung geschah, wie die SS die Rückgabe der persönlichen
Gegenstände bei Tod oder Entlassung von Gefangenen regelte und inwieweit sie
sich an den Effekten der Häftlinge bereicherte.

Die Neugestaltung
sieht vier beidseitig bespielte Vitrinen zwischen den fünf Säulen des
ehemaligen Schubraumes vor. Die Häftlingseffekten werden auf der Seite des
Raumes präsentiert, auf der die Gefangenen im KZ Dachau ihrer persönlichen
Gegenstände beraubt wurden. Dokumente der Gefangenen-Eigentums-Verwaltung sind
auf der gegenüberliegenden Raumseite einsehbar, in der Funktionshäftlinge unter
Aufsicht der SS die Effekten der Neuankömmlinge bürokratisch erfassen mussten.

Hier eine
exemplarische Auswahl von Häftlingseffekten aus dem Bestand des ITS Bad
Arolsen:

Füller MalovrhFüllfederhalter
von Viktor Ignac Malovrh
Häftling im KZ
Dachau 1945
ITS Bad Arolsen
1.2.9.1/108020624

Taschenuhr OwsjanikowTaschenuhr von
Nikolai Owsjanikow
Häftling im KZ
Dachau 1944
ITS Bad Arolsen
1.2.9.1/108020849

Fotos: © KZ-Gedenkstätte Dachau

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