Erinnerung und Familiengedächtnis: Im Gespräch mit David O. Solmitz

Am Mittwoch, den 14. November 2018, lädt die KZ-Gedenkstätte Dachau herzlich ein zum dritten Abend der Reihe „Erinnerung und Familiengedächtnis“. David O. Solmitz berichtet im Gespräch mit Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, über das Leben mit seinem Vater Walter Solmitz, der der während der Novemberpogrome im Jahr 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt wird. Weil seine Frau die notwendigen Papiere für eine Ausreise vorweisen kann, wird er im Dezember 1938 entlassen.

David O. Solmitz ist in Brunswick, Maine (USA), geboren und aufgewachsen. Heute lebt er mit seiner Familie in Waterville, Maine. Bis zu seiner Pensionierung war er als Lehrer tätig. 2011 erschien sein Buch "Piecing Scattered Souls", in dem er seine Familiengeschichte erzählt.

Walter Solmitz wird am 19. Januar 1905 in Braunschweig geboren und wächst in einer bildungsbürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Nach dem Abitur studiert er von 1923 bis 1930 in Hamburg Philosophie. Durch Vermittlung seines Doktorvaters, des Philosophen Ernst Cassirer, ist er in der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (K.B.W.) in Hamburg als freier Mitarbeiter tätig. Ab 1933 – Cassirer ist im Exil, die K.B.W. nach London verlegt – arbeitet Walter Solmitz in der Franz-Rosenzweig-Gedächtnisstiftung in Hamburg, siedelt aber 1935 nach München über. Mithilfe neuer Kontakte will er dort seine Doktorarbeit – nunmehr in Germanistik – vollenden. Seine zukünftige Frau, Elly Reis, kommt nach, als sie nicht in der Landeskunstschule Hamburg studieren darf. Das Paar heiratet am 1. Juli 1936 in München.

Am 10. November 1938 wird Walter Solmitz verhaftet und im KZ Dachau interniert. Dass er am 21. Dezember 1938 entlassen wird, verdankt er den Bemühungen seiner Frau und der Unterstützung von Fritz Saxl und Gertrud Bing, die für die K.B.W. arbeiten. Im Januar 1939 reist das Ehepaar Solmitz nach London aus, um dort auf eine Einreisemöglichkeit in die USA zu warten, die sich im Juni 1940 bietet. Walter Solmitz schließt seine Studien an der Harvard University ab und arbeitet als Deutschlehrer. Ab 1946 lehrt er am Bowdoin College in Brunswick, Maine, Germanistik und Philosophie.

Am 23. August 1962 begeht Walter Solmitz, der immer wieder mit Depressionen kämpft, im Alter von 57 Jahren Suizid. David ist sein einziges Kind, das er liebevoll „Munk“ nannte.

Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.

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