Lagerzeitungen nach der Befreiung

 

Bereits wenige Tage nach dem 29. April 1945 entstanden im befreiten Konzentrationslager die ersten Lagerzeitungen. Ehemalige Häftlinge schlossen sich meist in nationalen Gruppen zu Häftlingskomitees zusammen, deren Kommunikationsplattform Lagerzeitungen waren.

Diese dienten dazu, Neuigkeiten in den Tagen nach der Befreiung bekannt zu machen, aber auch geistige Neuorientierung zu geben. Über die nationale und internationale Lage wurde genauso berichtet, wie Forderungen an die zukünftige Politik formuliert. Auch die Rückkehr der Überlebenden in ihre Heimatländer wurde in allen Blättern häufig thematisiert.

Im Dachauer Hauptlager gab es unmittelbar nach der Befreiung unter anderem Lagerzeitungen der sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen, jugoslawischen, italienischen, französischen und niederländischen Lagergemeinschaften.

 

 

Die französische Lagerzeitung „Liberté – Bulletin francais d´informations du camp de Dachau“ nach der Befreiung

 

Die erste französische Lagerzeitung erschien bereits zwei Tage nach der Befreiung, am 1. Mai 1945, die letzte am 9. Mai, einen Tag nach der Kapitulation Nazideutschlands. Die Zeitung umfasste stets zwei DIN-A4-Seiten und war in folgende Bereiche aufgeteilt: Nachrichten vom Kriegsverlauf, Nachrichten aus Frankreich, Neues aus dem Lager.

Der Grundton des Blattes war optimistisch und manchmal sogar humorvoll, wenn zum Beispiel berichtet wurde, dass der französische General Leclerc nach der Befreiung Berchtesgadens in Hitlers Bett auf dem Obersalzberg geschlafen hätte – natürlich erst nachdem die Bettwäsche gewechselt worden sei (Ausgabe 7. Mai 1945).
Es wurden aber auch die zahlreichen Toten und die tausenden von Kranken beklagt, von denen nur 3000 ins ehemalige SS-Lager transportiert werden konnten, da nach Angaben der Lagerzeitung ein Teil des Lagers vermint gewesen wäre.

Auch weitere relevante Themen, die den Alltag der befreiten Häftlinge betrafen, wurden thematisiert. Ankündigungen, wie jene, dass die zweite Lebensmittellieferung der französischen Armee von über 54 Tonnen allen Überlebenden zugutekäme, fanden ebenso Platz, wie die Klage, dass der Aufbau einer Bibliothek und die Verfügbarkeit eines Radiogeräts pro Baracke nicht schnell genug umgesetzt worden wäre. Auch dass die Unterbringung nach Nationalitäten und die Rückführung der Gesunden nicht schnell genug vor sich gingen, war Teil der Diskussion in der Zeitung.

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