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Archäologische Grabungen im ehemaligen Krematoriumsbereich
| 2. November 2026

Fotoaufnahmen der archäologische Grabungen im ehem. Krematoriumsbereich © Valeska Becker / Universität Münster
- Archäologische Begleitung im Rahmen der Neugestaltung
- Unerwartete Funde bei zeitgeschichtlicher Lehrgrabung
Archäologische Sondierungs- und Forschungsgrabungen im Vorfeld der Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Dachau legten angrenzend an den ehemaligen Krematoriumsbereich des KZ Dachau zahlreiche, gut erhaltene Relikte des früheren Hundeführer-Bereichs frei. Dazu zählen mindestens 35 Hundezwinger der SS-Wachmannschaften.
Neue Recherchen haben zudem ergeben, dass sich in diesem Areal die Krematoriumsverwaltung befunden hat, die die systematische Verbrennung und Beseitigung der Leichen organisierte und dokumentierte. An mehreren Stellen stießen die archäologischen Teams im Erdreich auf eine Schicht von mit Schlacken und Knochenfragmenten versetzter Asche. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um menschliche Überreste aus den Öfen des Krematoriums handelt. Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, zur Einordnung der unerwarteten Funde: „Die bei den jüngsten archäologischen Grabungen freigelegten Fundamente des Hundeführerbereichs erweitern unsere Erkenntnisse zu den von der SS abgerichteten Hunden, die zur Bewachung und Einschüchterung eingesetzt wurden und bei den KZ-Häftlingen gefürchtet waren. Der Krematoriumsbereich und der Hundeführerbereich bildeten als Orte des Terrors eine enge funktionale Einheit. Die sensiblen Funde menschlicher Überreste erfordern im bereits begonnenen engen Austausch mit den Erinnerungsgemeinschaften einen behutsamen Umgang. Die KZ-Gedenkstätte Dachau befasst sich mit der Frage, wie dem sensiblen Befund künftig angemessen Rechnung getragen, das Areal als Erinnerungsort erschlossen und der Opfer an diesem Ort gedacht werden kann.“
Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, betont die große Notwendigkeit von zeitgeschichtlicher Archäologie: „Je leiser die Zeitzeugen werden, desto wichtiger wird die Rolle der Archäologie, um die Schauplätze von Zwang und Vernichtung des NS-Regimes zu erschließen und den richtigen Umgang damit zu ermöglichen. Dachau zeigt nun einmal mehr, dass die Auswertung von Bild- und Textquellen allein keine vollständigen Ergebnisse liefert. Es kommt darauf an, alle Überlieferungen zusammenzuführen. Der Boden wird damit zum letzten und unbestechlichen Zeugen der NS-Verbrechen.“
Die archäologischen Grabungen wurden durch das Staatliche Bauamt Freising veranlasst und durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) beraten. Eine zusätzliche wissenschaftliche Lehr- und Forschungsgrabung wurde im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau von einem Team der Universität Münster in Abstimmung mit dem BLfD durchgeführt.
Historische Informationen zu den SS-Wachmannschaften
In unmittelbarer Umgebung zu den Krematorien des Konzentrationslagers Dachau richtete die SS ab 1942 eine eigene Hundestaffel ein, die zur Bewachung der Gefangenen eingesetzt wurde. Der Einsatz der Hunde ist in einer Vielzahl von Text- und Bildzeugnissen ehemaliger KZ-Häftlinge überliefert.