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Dokumentenübergabe im nordrhein-westfälischen Landtag

 |  24. August 2026

Gruppenfoto am Tag der Übergabe der Dokumente im nordrhein-westfälischen Landtag.

Für das Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau ist der Erhalt neuer Bestände von großer Bedeutung, da dies die kontinuierliche Bewahrung, Erschließung und Vermittlung von Wissen ermöglicht. Nun erreichte das Archiv ein Bestand von insgesamt 48 Dokumenten, überwiegend Briefe und Karten ehemaliger Häftlinge. Diese waren Teil einer Übergabe von insgesamt mehr als 600 Dokumenten an verschiedene NS-Gedenkstätten im nordrhein-westfälischen Landtag. Das an die KZ-Gedenkstätte Dachau übergebene Konvolut konnte nun vollständig erschlossen und somit langfristig in das hiesige Archiv aufgenommen werden.

Zunächst waren die zahlreichen Dokumente in Besitz eines Auktionshauses, welches vorgesehen hatte, die aus einer privaten Sammlung stammenden Bestände im November 2025 im Rahmen der Auktion „Das System des Terrors 1933-1945 Vol.II“ zu versteigern. Dass die Rückkehr der Dokumente an die Gedenkstätten der ehemaligen  Orte der Verbrechen, von denen sie ursprünglich stammten, möglich wurde ist dabei der massiven Kritik herausgehobener Gedenkorte wie Auschwitz-Birkenau und zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie dem daraus resultierenden politischen Druck zu verdanken. Neben der Kommerzialisierung persönlicher Hinterlassenschaften wird an solchen Geschäften auch kritisiert, dass sie die Würde der Personen, denen die Dokumente einst gehörten, antasten.

Mit dem Ziel, diese persönlichen Gegenständen nationalsozialistisch verfolgter Personen dem Handel zu entziehen, die Dokumente nicht mehr als Ware zu behandeln und stattdessen in den gemeinsamen, öffentlichen Raum der Erinnerungskultur zu bringen, konnte  so letztlich die Absage der Auktion sowie der darlehens- und spendenfinanzierte Ankauf der Dokumente erwirkt werden.

Nach der notariellen Übergabe an Dr. habil. Christoph Thonfeld, Stellvertretender Leiter der KZ-Gedenkstätte Dachau und Leiter ihrer wissenschaftlichen Abteilung, im Juli 2026 im Landtag von Nordrhein-Westfalen und der darauffolgenden Erschließung der Dokumente durch Mitarbeitende des Archivs ermöglichen die Briefe und Karten nun wichtige Einblicke in den Postverkehr ehemaliger Häftlinge des  KZ Dachau.

Die zwischen dem November 1933 und März 1945 überwiegend aus dem Stammlager, in den Kriegsjahren aber zunehmend auch aus Außenlagern an Familie und Bekannte versandten Briefe zeigen, wie der Kontakt aus dem KZ Dachau  zu den in der Heimat der Häftlinge verbliebenen Angehörigen ausgesehen hat. Häufig enthalten sie Passagen, in denen die Häftlinge ihre Hoffnung schilderten, schon bald wieder bei ihren Familien zu sein, aber auch, dass sie sich über die Möglichkeit einer Entlassung ungewiss waren. Auch waren diese Briefe die einzige Möglichkeit, sich des Wohlergehens der Familien Angehörigen zu vergewissern und nach der Zusendung von Lebensmitteln, Geld und Kleidung zu fragen. Wie sehr der Häftlingspostverkehr im KZ Dachau kontrolliert wurde, zeigen dabei die auf jedem Brief vorhandenen Stempel der sogenannten Postzensurstelle, teilweise geschwärzte Stellen und beigefügte Aufforderungen, die Zusendung von Kleidung, Fotos und Paketen aufgrund von Verboten zu unterlassen.

Auch wieviel und in welcher Sprache Häftlinge des KZ Dachaus nach außen kommunizieren durften, wurde mit dem Schreiben von maximal zwei Briefen oder Karten pro Monat und der Begrenzung auf die vier Seiten je 15 Zeilen in deutscher Sprache stark eingeschränkt.

Neben den Karten und Briefen enthält dieser neue Bestand auch einen Lieferschein des  Arbeitskommandos „Plantage“, einen personalisierten lagerinternen Prämienschein von 1943 sowie eine Paketkarte und eine Versandtasche.

Mit der Bewahrung im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau werden die Dokumente nun dauerhaft sachgerecht behandelt und stehen dank der sorgfältigen Dokumentation zukünftig auch für Forschungs- und Vermittlungszwecke zur Verfügung.