Erinnerung und Familiengedächtnis: Im Gespräch mit Ernst Mannheimer

Am Donnerstag, den 6. Februar 2020, lädt die KZ-Gedenkstätte Dachau um 19 Uhr herzlich ein zum fünften Abend unserer Reihe "Erinnerung und Familiengedächtnis". Im Gespräch mit Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, wird Ernst Mannheimer anlässlich des 100. Geburtstages seines Vaters Max Mannheimer über das Leben mit dem prominenten Zeitzeugen sprechen, der bis zu seinem Tod im Jahr 2016 als steter Mahner für Frieden und Versöhnung auftrat.

Max Mannheimer wurde im August 1944 aus Warschau in das Konzentrationslager Dachau deportiert wurde. In mehreren Außenlagern musste er Zwangsarbeit leisten, bis er am 30. April 1945 befreit wurde. Von 1988 bis zu seinem Tod am 23. September 2016 war er Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, später ebenfalls Vizepräsident des Comité International de Dachau (CID). Ernst Mannheimer ist in München geboren und aufgewachsen. Er arbeitet bei einer Unternehmensbeteiligungsgesellschaft in Zürich. Anlässlich des 100. Geburtstags seines Vaters besucht Ernst Mannheimer die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte (Pater-Roth-Straße 2a, 85221 Dachau). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Am Veranstaltungsabend kann der Besucherparkplatz der KZ-Gedenkstätte kostenfrei genutzt werden.

Max Mannheimer – Vom Verfolgten zum Versöhner

Max Mannheimer wird am 6. Februar 1920 in Nový Jičín (Neutitschein) in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Mit der Annexion des Sudetenlandes 1938 erlebt die Familie antisemitische Drangsalierungen, weshalb sie in den unbesetzten Teil der Tschechoslowakei umzieht. Als deutsche Truppen dort ebenfalls einmarschieren, nimmt die nationalsozialistische Verfolgung zu. Die Familie wird am 27. Januar 1943 über das Ghetto Theresienstadt in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Seine Frau Eva, seine Eltern und Schwiegereltern sowie seine Schwester sieht Max an der Todesrampe zum letzten Mal. Nur er und sein Bruder Edgar überleben und werden im September 1943 nach Warschau verschleppt. Ab August 1944 müssen sie in den Dachauer Außenlagern Allach und Mühldorf Schwerstarbeit leisten. Max Mannheimer wird am 30. April 1945 von amerikanischen Truppen am Starnberger See befreit.

Zurück in Nový Jičín lernt er seine zweite Ehefrau Elfriede Eiselt, eine deutsche Widerstandskämpferin, kennen. Sie ziehen mit der gemeinsamen Tochter Eva nach München. Max arbeitet beim Zentralkomitee der befreiten Juden und später beim American Jewish Joint Distribution Committee. Als Elfriede 1964 an Krebs stirbt, schreibt er seine Lebensgeschichte auf. 1965 heiratet er die Amerikanerin Grace Franzen. 1966 wird sein Sohn Ernst geboren. Unter dem Pseudonym „ben jakov“ ist er seit den 1950er Jahren künstlerisch tätig. Ab den 1980er Jahren besucht er Schulen, engagiert sich in der Lagergemeinschaft und im CID und treibt die Errichtung des Jugendgästehauses in Dachau voran. Hochgeachtet stirbt Max Mannheimer am 23. September 2016 in München.