Dachauer Zeitzeugengespräch mit Maurice Cling

Maurice Cling berichtete von
einer sehr behüteten Kindheit, die er mit seiner jüdischen Familie in Paris
erlebte. Auch nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten sei er sich keiner
besonderen Gefahr bewusst gewesen. Als seine Familie im Mai 1944 verhaftet und
in das Durchgangslager Drancy deportiert wurde, änderte sich die Situation
schlagartig.

Maurice Cling im Gespräch

Maurice Cling …

Maurice
Cling war erst 15 Jahre alt, als er mit seiner Familie von Drancy in das
Vernichtungslager Auschwitz transportiert wurde. Er wurde von der SS als
arbeitsfähig eingestuft. Sein Bruder und seine Eltern hingegen fielen der
Selektion zum Opfer und wurden getötet. Die harte, tägliche Arbeit bei gleichzeitiger
Unterernährung hätte Maurice Cling gewiss nicht überlebt, wenn er nicht Hilfe
von Widerstandskämpfern erhalten hätte, berichtet der Zeitzeuge. Er erfuhr
Schutz durch polnische und französische Mithäftlinge, der ihn in der
Krankenbaracke versteckt hielten.

Maurice Cling im Gespräch

… im Gespräch

Zu seinen schlimmsten Erlebnissen zählt er den Todesmarsch und die
Evakuierungstransporte aus dem Vernichtungslager Auschwitz in das KZ Dachau. Obwohl
sich die Rote Armee vor den Toren der Stadt befand, musste er unter den Gewehrsalven
der SS-Bewacher weiterlaufen durch Schnee und Kälte. Im KZ Groß-Rosen wurden
die Häftlinge in offene Züge verladen. Sie erhielten die Weisung, Tote einfach
während der Fahrt hinauszuwerfen. Völlig entkräftet kam Maurice Cling im Januar
1945 im Konzentrationslager Dachau an. Er wurde als Maler registriert, doch war
er viel zu schwach zum Arbeiten. Erneut erfuhr er Hilfe durch einen
französischen Widerstandskämpfer, der ihn mit den Zielen der Résistance vertraut
machte. Maurice Cling betont, dass diese Hilfe für sein Überleben entscheidend
war, zumal er an Typhus erkrankt war.

Von Dachau
aus wurde er schließlich auf einen zweiten Todesmarsch gezwungen. „Die, die
nicht mehr gehen konnten, wurden erschossen“, berichtete Maurice Cling. Anfang
Mai 1945 wurde er von amerikanischen Soldaten in Tirol befreit.

In der dem Gespräch folgenden Diskussion
beantwortete Maurice Cling viele Detailfragen und erzählte zudem, dass er mit zweien
seiner Söhne den ersten Teil seiner Familiengeschichte als Film gedreht habe.
Ein zweiter Teil soll folgen.

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