Lagerzeitungen nach der Befreiung

 

Bereits wenige Tage nach dem 29. April 1945 entstanden im befreiten Konzentrationslager die ersten Lagerzeitungen. Ehemalige Häftlinge schlossen sich meist in nationalen Gruppen zu Häftlingskomitees zusammen, deren Kommunikationsplattform Lagerzeitungen waren.

Diese dienten dazu, Neuigkeiten in den Tagen nach der Befreiung bekannt zu machen, aber auch geistige Neuorientierung zu geben. Über die nationale und internationale Lage wurde genauso berichtet, wie Forderungen an die zukünftige Politik formuliert. Auch die Rückkehr der Überlebenden in ihre Heimatländer wurde in allen Blättern häufig thematisiert.

Im Dachauer Hauptlager gab es unmittelbar nach der Befreiung unter anderem Lagerzeitungen der sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen, jugoslawischen, italienischen, französischen und niederländischen Lagergemeinschaften.

 

 

Die deutsche Lagerzeitung

 

Am 6. Mai 1945 erschien unter dem Titel „Der Antifaschist – Stimme der Deutschen aus Dachau“ die erste Ausgabe der Lagerzeitung für die die ehemaligen deutschen und deutschsprachigen Häftlinge des befreiten Konzentrationslagers. Herausgeber war das „Deutsche Komitee“ ehemaliger Häftlinge unter der „Schriftleitung H.E.M.“

Die Zeitungen berichteten jeweils auf zwei Seiten von aktuellen Ereignissen weltweit, wie dem pazifischen Kriegsschauplatz, der Gründung des internationalen Gerichtshofes oder der Proklamation der österreichischen Republik. Auch informierten sie umfassend über die verschiedenen Ereignisse in Deutschland, wie etwa die Kapitulation, die Einstellung der Kampfhandlungen, die erste Sitzung des deutschen Gewerkschaftsbundes oder die allgegenwärtigen Zerstörungen.

Einen großen und für die ehemaligen Häftlinge wichtigen Raum nahmen Informationen rund um die Organisation und den Alltag im befreiten Lager ein, wie beispielsweise am 6. Mai: „Die Postkarte an die Angehörige kann noch nicht geschrieben werden, da noch kein Postverkehr im deutschen Reich besteht.“ Oder am 8. Mai: „Die Verpflegung wird erhöht und in einigen Tagen der des amerikanischen Soldaten gleichgestellt.“ Und am 9. Mai heißt es: „Leutnant Rosebloom teilt mit, dass die Rückführung aller Häftlinge in die Heimat so schnell wie eben möglich durchgeführt werden wird, nach Möglichkeit sollen die Kameraden durch Flugzeuge heimgeführt werden und zwar sofort nach Beendigung der Quarantäne.“). Mal wurde über die Uhrzeiten der Gottesdienste informiert, mal um persönliche Berichte zur Ausstattung des Lagerarchives gebeten, mal darauf hingewiesen, dass Plünderungen verboten sind und streng bestraft werden. Auch wurde über das Schicksal der ehemaligen Peiniger berichtet, etwa über Verhaftungen und Verhöre von SS-Leuten.

Obwohl die Zeitung immer wieder dazu aufruft „Freundschaft, Brüderlichkeit und keine Politik“ zu betreiben, scheint ihre stark sozialistische Grundhaltung immer wieder durch: „Wir wurden nicht nur frei von der Willkürherrschaft der Faschisten. Wir wurden vor allem frei für die großen Aufgaben eines wahren deutschen Sozialismus“ (Ausgabe vom 9. Mai 1945).

Am 29. Mai erschien mit der Nr. 19 die letzte deutsche Lagerzeitung.

 

 

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