Lagerzeitungen nach der Befreiung

 

Bereits wenige Tage nach dem 29. April 1945 entstanden im befreiten Konzentrationslager die ersten Lagerzeitungen. Ehemalige Häftlinge schlossen sich meist in nationalen Gruppen zu Häftlingskomitees zusammen, deren Kommunikationsplattform Lagerzeitungen waren.

Diese dienten dazu, Neuigkeiten in den Tagen nach der Befreiung bekannt zu machen, aber auch geistige Neuorientierung zu geben. Über die nationale und internationale Lage wurde genauso berichtet, wie Forderungen an die zukünftige Politik formuliert. Auch die Rückkehr der Überlebenden in ihre Heimatländer wurde in allen Blättern häufig thematisiert.

Im Dachauer Hauptlager gab es unmittelbar nach der Befreiung unter anderem Lagerzeitungen der sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen, jugoslawischen, italienischen, französischen und niederländischen Lagergemeinschaften.

 

 

Die italienische Lagerzeitung

 

Die erste Ausgabe der italienischen Lagerzeitung „Gli Italiani in Dachau“ (dt: Die Italiener in Dachau) erschien am 1. Mai 1945. Der Direktor der italienischen Lagerzeitung war Civada Ferdinando, in der zweiten Maihälfte 1945 übernahm Mario Sbardella diese Position. Der Präsident des italienischen Lagerkomitees, Giovanni Melodia war an der Redaktion beteiligt, da er stenografieren konnte und Gespräche, Reden und Sitzungen protokollierte.

Viele ehemalige italienische Häftlinge blieben nach der Befreiung noch mehrere Wochen in Dachau, der letzte italienische Ex-Häftling verließ den Ort am 13. Juli 1945. Während dieser Zeit entstanden insgesamt 37 Ausgaben, in denen auch häufig der Verzug der Repatriierung kritisiert wurde.
Inhaltlich befasste sich die italienische Lagerzeitung sowohl mit Nachrichten aus der Heimat und dem Ausland (Kriegsberichterstattung), als auch mit Neuigkeiten aus dem gerade befreiten Lager und Aushandlungen von Regeln des Zusammenlebens der ehemaligen Häftlinge.
Auf die Kritik des langen Heimreiseprozesses entgegnete das Komitee, alles in ihrer Macht liegende zu tun, um die Repatriierung zu organisieren.

Nach den Berichten des Ex-Häftlings Melodia wurden die ersten Ausgaben mit einer von den Amerikanern zur Verfügung gestellten Schreibmaschine aus einem SS-Büro geschrieben. Alle Kopien der ersten Ausgaben wurden einzeln abgetippt, bevor sich andere Möglichkeiten der Kopie ergaben. Als der Vervielfältiger kaputt ging, boten die Jugoslawen den Italienern die Vervielfältigung über ihr Gerät an. Giovanni Melodia nahm, als er in seine Heimat zurückkehrte, alle originalen Ausgaben mit nach Italien. Sie befinden sich in einem Archiv in Rom.

 

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