Karl Kunkel (08.11.1913 – 30.01.2012)

 

Karl Kunkel wurde am 8. November 1913 als Sohn einer Gastwirtsfamilie in Seeburg/Ostpreußen geboren. Nach dem Theologiestudium in Tübingen und München wurde er 1938 zum katholischen Priester geweiht. Als Standortpfarrer betreute er unter anderem verwundete und inhaftierte Soldaten. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Begleitung zum Tode verurteilter Militärangehöriger.

Bereits in seiner Zeit als Jugendseelsorger wurde Kunkel immer wieder von der Gestapo verwarnt, da er beispielsweise in seinen Predigten die „Verbindung der Hitlerbewegung mit dem Atheismus“ aufzeigte. 1944 wurde die Gestapo erneut auf Kunkel aufmerksam, als ein ehemaliger Studienkollege ihn als Mann „mit Kontakten ins Ausland“ bezeichnete. Er wurde verdächtigt, mit Regimegegnern in Verbindung zu stehen.

Am 15. Juli 1944 kam Kunkel zur Vernehmung in das KZ Ravensbrück. Kunkel wurde bei den Verhören schwer misshandelt, hielt der Folter jedoch stand. Er blieb in Ravensbrück weiter als „Sonderhäftling“ inhaftiert. Als die Front immer näher an das Reichsgebiet rückte, wurde Kunkel am 16. März 1945 in das KZ Dachau verlegt, wo ihm im Lagergefängnis, dem„Bunker“, die Zelle 15 zugewiesen wurde. Dort war er mit anderen „Sonderhäftlingen“ wie dem Münchner Domkapitular Johannes Neuhäusler untergebracht.

Am Abend des 24. April 1945 wurde Karl Kunkel mit anderen „Sonderhäftlingen“ nach Südtirol gebracht. Dort wurden er und seine Mithäftlinge am 4. Mai von den Amerikanern befreit.

Nach dem Krieg wirkte er als Priester in Ordensgemeinschaften und als Rektor von Priesterkonvikten. Nach der Pensionierung sah er es als seine wichtige Aufgabe an, als Zeitzeuge der NS-Verfolgung aufzutreten. Er starb 98jährig am 30. Januar 2012 in Bensheim.

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