Arkadij Fomitsch Golubok

Arkadij Fomitsch Golubok (6. Februar 1897 – 1941)

 

Eine Gedenkbotschaft seines Enkels Sergej Arsenjewitsch Golubok aus Moskau

 

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(Übersetzung des russischen Transkripts)

In unserer Familie denken wir sehr ehrfürchtig an unsere Vorfahren zurück. Die Geschichten werden von Generation zur Generation weitergegeben. Der Krieg hinterließ in jeder Familie seine Spuren. Unsere Familie ist keine Ausnahme. Ich möchte von einem Familienmitglied erzählen, das die schrecklichen Ereignisse der damaligen Zeit miterlebt hat. Das ist mein Großvater Arkadij Fomitsch Golubok.

Er wurde am 6. Februar 1897 im Dorf Selischtsche in der Asweja-Siedlung in Belarus geboren. [Nach der Oktoberrevolution] nahm er in Sibirien an der Guerillabewegung gegen Koltschak teil. In den Kämpfen wurde er verwundet und kam daraufhin ins Krankenhaus von Tomsk. Nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrte er in seine Heimat zurück. Er arbeitete als Förster und Vertreter des Volksgerichts. Ab Oktober 1928 war er Ratsvorsitzender im Dorf Kochanowitschi im Bezirk  Werchnjadswinsk. Von November 1929 bis 1930 arbeitete er in Polazk  als stellvertretender Kreisvorsitzender. Nach Auflösung des Bezirks war er im Landesvorstand in Rassony. Später dann war er Vorsitzender des Kreisausschusses von Rassony 1923 heiratete er meine Großmutter Elizaweta Fjodorowna Tschernook. 1924 wurde ihr ältester Sohn Nikolaj geboren. 1929 wurde mein Vater Arsenij geboren, und danach zwei Töchter. Eugenia im Jahr 1933 und Walentina 1938. Während des Kriegs flüchtete meine Großmutter samt Kindern nach Sibirien. Nach der Befreiung von Belarus kehrten sie zurück.

Der älteste Sohn Nikolaj machte von 1942 an den gesamten Krieg mit. Er wurde dreimal verwundet und bekam Orden verliehen. Er diente bis 1947 in den Streitkräften. Später lebte er in Minsk. Am 25. Mai 1941 wurde mein Großvater in die Stadt Slonim versetzt, als technischer Intendant ersten Ranges. Er war Adjutant des Kommandeurs der 29. motorisierten Schützendivision. Im Juni 1941 ist er verschwunden. Die Division war damals Teil der Westfront der 10. Armee des 6. Mechanisierten Korps. Am 22. Juni 1941 wurde die Division von Slonim nach Białystok verlagert und wurde Teil der Truppen an der Staatsgrenze 2 zu Białystok. Am 23. Juni befand sich die Division an der Front Kuźnica-Sokółka. Sie schütze die linke Flanke der sowjetischen Truppen, die sich auf einen Gegenangriff in der Nähe von Hrodna vorbereiteten. Am 25. Juni kämpfte die 29. Motorisierte Schützendivision meines Großvaters gegen einen Teil des XX. deutschen Armeekorps. Nach der Niederlage flüchtete die Division über den Fluss Swislatsch. Ab dem 27. Juni 1941 war sie umzingelt. Bis zum 29. Juni 1941 wurde sie quasi ausgelöscht. Der Generalmajor Bikschanow wurde gefangen genommen. Am 19. September 1941 wurde die Division aufgelöst. Mein Großvater Arkadij Fomitsch Golubok kämpfte an diesen Orten und wurde offiziell im Juni 1941 als vermisst gemeldet. Nach langer Suche erfuhr unsere Familie, dass er am 2. Juli 1941 in deutsche Gefangenschaft geriet und ins Deutsche Reich ins Oflag XIII D in Hammelburg gebracht wurde. Dort wurde ihm die Lagernummer 2067 verliehen. Am 5. November 1941 wurde er im Rahmen einer „Loyalitätsprüfung“ an die Gestapo in Nürnberg übergeben und später auf einem Schießstand nahe des Konzentrationslagers Dachau erschossen.

In der Nähe des KZ-Museums gibt es einen Gedenkort für die Opfer des Schießstandes. Dort ist auch unser Großvater Arkadij Fomitsch Golubok verewigt. Diese Information erhielten wir von der Verwaltung der Gedenkstätte des KZ Dachau. Abschließend möchte ich der Verwaltung der Gedenkstätte danken. Diese Leute erinnern an die schrecklichen Ereignisse jener Zeit und identifizieren die Opfer der Konzentrationslager. Sie helfen Familien, ihre Verwandten zu finden und etwas über ihre letzten Tage zu erfahren.

Vielen Dank.

 

 

Eine Gedenkbotschaft seiner Urenkelin Darja Polewzowa aus Minsk, Belarus

 

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(Übersetzung des russischen Transkripts)

 Der Deutsch-Sowjetische Krieg hinterließ tiefe Spuren in vielen Familien. Meine Familie ist keine Ausnahme. Ich möchte etwas über meinen Urgroßvater erzählen. Arkadij Fomitsch Golubok wurde am 6. März 1897 in Selischtsche in der Asweja-Region in Weißrussland geboren. Im Bürgerkrieg kämpfte er in Sibirien gegen Koltschak. Er war verheiratet und hatte vier Kinder. Am 2. Juli 1941 verschwand er spurlos in der Nähe von Minsk. Mehr über Arkadij Fomitsch erfahren Sie in einem anderen Video, das von seinem Enkel, meinem Onkel, Sergeij Golubok aufgenommen wurde. Ich möchte darüber erzählen, wie die Suche nach meinem Urgroßvater verlief.

Am Vorabend des 72. Jahrestages des Sieges der sowjetischen Truppen über Hitler-Deutschland sagte meine Mutter, die Enkelin von Arkadij Fomitsch, Tatjana Golubok, dass es sehr schön wäre, wenn wir etwas über Arkadijs Schicksal wüssten. An diesem Tag recherchierte ich im Internet und gab seinen vollständigen Namen bei Google ein. Ich fand Webseiten, auf denen wir schon Informationen über Arkadij Fomitsch angefragt hatten. Ich durchforstete weitere Webseiten, bis ich auf eine Liste von Margarita Kotikowskaja stieß, auf der auch der Name meines Urgroßvaters stand. Margarita Kotikowskaja war Scharfschützin an der Leningrader Front. Und 1945 war sie Ermittlerin bei einer sowjetischen Militärstaatsanwaltschaft in Deutschland. Im Krieg verschwand ihr Mann. Und auf der Suche nach ihm fand sie viele Namen von Kriegsgefangenen, die auf dem Schießplatz Hebertshausen erschossen wurden. So begann die Suche nach meinem Urgroßvater.

Ab und zu ging ich wieder ins Internet und suchte nach dem Namen meines Urgroßvaters und las neue Informationen über Hebertshausen und über Arkadij Fomitsch selbst. Im November 2018 stieß ich auf einen Artikel in der belarussischen Zeitung „Zvezda“. Dort hieß es, dass die Mitarbeiter der Gedenkstätte Dachau nach Angehörigen von in Hebertshausen erschossenen Soldaten suchten. Dort stand auch mein Urgroßvater. Von München aus fuhren meine Mutter und ich direkt nach Dachau, was in der Nähe liegt. Ich hätte nie gedacht, dass die Stadt so schön und gemütlich sein könnte und dass an diesem Ort solch schreckliche Dinge passieren konnten. Selbst die Einheimischen, mit denen ich gesprochen habe, meinten, wie schade sie es finden, dass ihre Stadt mit dem schrecklichen KZ in Verbindung gebracht wird. Am ehemaligen Schießplatz erfuhren wir die Geschichte dieses Ortes. Man erzählte uns, wie sowjetische Kriegsgefangene erschossen wurden und was sie davor erleiden mussten. Als ich mir vorstellte, wie sie bei jeglichem Wetter völlig nackt an Pfosten gebunden wurden, wie sie hörten, was hinter der Mauer draußen vor sich ging, und wie sie wussten, dass sie das Gleiche erwartet… Als ich mir das vorstellte, kamen mir die Tränen. Meiner Mutter auch. Es war eine schwere Vorstellung. Danach wurde es jedoch leichter. Da wir nun über das Schicksal meines Urgroßvaters Bescheid wussten. Das tat gut. Die harte Wahrheit ist besser als Unwissenheit.

Es ist sehr wichtig, dass Orte wie die Gedenkstätte Dachau und der Gedenkort Hebertshausen existieren, wo auch eine Außenausstellung eröffnet wurde. Sie zeigen zukünftigen Generationen, was Krieg bedeutet und was damals geschah, damit es in Zukunft nie wieder vorkommt.

So endete die Suche nach meinem Urgroßvater. Leider erlebten seine drei Kinder diesen Moment nicht mehr mit, und wir konnten ihnen nie vom Schicksal ihres Vaters erzählen. Doch Arkadijs Geschichte wird weitergegeben an seine Enkel und Urenkel. Wir werden sie von Generation zu Generation erzählen. Ich bedanke mich herzlich bei der Gedenkstätte Dachau dafür, dass sie bei der Suche nach meinem Urgroßvater half, und für die Möglichkeit, seinen Sterbeort besuchen zu dürfen.

 

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