Literaturtipps

tl_files/images/aktuelles/Newsletter/Ausgabe 7 April 2016/Konzentrationslager, Heft 1.jpgGarbe, Detlef; Morsch, Günter (Hrsg.):
Kriegsendverbrechen zwischen Untergangschaos und Vernichtungsprogramm. – Berlin:
Metropol 2015 (Konzentrationslager: Studien zur Geschichte des NS-Terrors; H.
1)

Die
letzte Phase des „Dritten Reiches“ ging mit einer kaum noch für möglich
gehaltenen Steigerung von Terror und Gewalt einher. Es gab keine Mordtat, vor
der die Nationalsozialisten nicht zurückschreckten, keine Grausamkeit, derer sie
sich nicht bedienten, keinen „Feind“, der vor ihnen sicher war. Dem „totalen
Krieg“ entsprach die „totale Vernichtung“ von Menschen, Ländern, Städten,
Dörfern. Der allumfassende Vernichtungswille des NS-Regimes kannte keinerlei
systemische oder ökonomische Zweckrationalität mehr.

In ihrer ersten Ausgabe befasst sich die Zeitschrift Konzentrationslager.
Studien zur Geschichte des NS-Terrors
mit den Kriegsendverbrechen. Herausgeber
und Autoren gehen Indizien nach, die darauf hindeuten, dass die
Nationalsozialisten angesichts der sich abzeichnenden Niederlage, enthemmt und
befreit von pragmatischen Rücksichten auf militärische, ökonomische oder
soziale Hinderungsgründe sowie auf Befindlichkeiten in der Bevölkerung, vor
allem die verbrecherischen ideologischen Ziele ihrer Lebensvernichtungspolitik
zu realisieren suchten.

Die Zeitschrift versteht sich als ein Forum zur Erforschung der
nationalsozialistischen Zwangslager, das dem gesamten Spektrum der mit dem
Lagersystem und seiner Nachgeschichte verbundenen Themen Raum geben und die
geschichtswissenschaftliche Debatte über den Nationalsozialismus und die
staatliche Massengewalt im 20. Jahrhundert anregen möchte.

 

Hördler: Ordnung und InfernoHördler, Stefan: Ordnung und Inferno. Das KZ-System im letzten
Kriegsjahr. – Göttingen: Wallstein 2015

Stefan
Hördler stellt den aktuellen Forschungsstand, die Schlussphase der
nationalsozialistischen Konzentrationslager sei durch Desorganisation, Chaos
und Willkür geprägt gewesen, in Frage: Er zeigt, dass ab März 1944 eine
umfassende Neuordnung des KZ-Systems einsetzte, und dass das letzte Kriegsjahr
eine eigenständige Phase in der Genese der Lager darstellte. Ab 1944 verfolgte
das NS-Regime zwei Ziele: erstens eine forcierte Ökonomisierung und zweitens
eine Stabilisierung des Lagersystems. Zur Analyse beider Dimensionen führt der
Autor den Begriff der Rationalisierung ein, unter dem sowohl die Massenmorde
als auch eine utilitaristisch ausgerichtete „Auslese“ der arbeitsfähigen
Häftlinge als Teile dieser Entwicklung zusammengefasst werden können.

 

Edition Mein KampfInstitut
für Zeitgeschichte München – Berlin
(Auftr.): Hitler, Mein Kampf.  Eine kritische Edition; Bd. I und II. –
München: Institut für Zeitgeschichte 2016

Mehr als
zwölf Millionen Mal wurde Adolf Hitlers Propagandaschrift Mein Kampf bis 1945
gedruckt und unters Volk gebracht. Seither war jegliche Neuauflage untersagt.
Erstmals, 70 Jahre nach dem Tod Hitlers, veröffentlicht das Institut für
Zeitgeschichte eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe dieses
berüchtigten Buches.

Mein Kampf ist Hitlers wichtigste politische Schrift. Sie ist gleichermaßen
stilisierte Autobiografie, ideologisches Programm, Parteigeschichte,
Hetzschrift und Anleitung zur Erringung der Macht, weit über Deutschland
hinaus. Nirgendwo sonst hat Hitler das, was er glaubte und wollte, so offen und
detailliert erläutert wie hier. Mein Kampf ist damit eine der zentralen
Quellen des Nationalsozialismus. Die kritische Edition des Instituts für
Zeitgeschichte bereitet diese Quelle umfassend auf: Sie ordnet die historischen
Fakten ein, erklärt den Entstehungskontext, legt Hitlers gedankliche Vorläufer
offen und kontrastiert seine Ideen und Behauptungen mit den Ergebnissen der
modernen Forschung. Nicht zuletzt zeigt die Edition auf, wie Hitlers Ideologie
nach 1933 die verbrecherische Politik des NS-Regimes prägte. Hitler, Mein
Kampf. Eine kritische Edition
setzt auf historisch-politische Aufklärung und
wendet sich in Form und Stil deshalb bewusst an einen breiten Leserkreis.

 

Knoll: Der Rosa-Winkel-GedenksteinKnoll, Albert (Hrsg.): Der Rosa-Winkel-Gedenkstein.
Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ-Dachau. – München: Forum
Homosexualität e.V. 2015 (Splitter; Bd. 13)

„Totgeschlagen
– Totgeschwiegen“ lautet der Text auf der Gedenktafel für die
Rosa-Winkel-Häftlinge. Es war der Wunsch der Münchner Schwulengruppen, diese
Tafel aus rosa Marmor 1985 im Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau aufzustellen,
um die Homosexuellenverfolgung zumindest an dieser Stelle zu thematisieren. Es
folgte jedoch ein zehn Jahre dauernder Kampf gegen alte Vorurteile, die unter
den Überlebenden des Konzentrationslagers, aber auch in der Politik noch lange
lebendig waren. Ein steter Druck der homosexuellen Szene, getragen vom Wandel
des Zeitgeistes, setzte sich schließlich durch.

Nach
zehn Jahren wurde diese Opfergruppe endlich gleichberechtigt in das Gedenken
miteinbezogen.

Die
Auseinandersetzung mit der lange verfemten Opfergruppe der Homosexuellen begann
vor 30 Jahren. Aus diesem Anlass beleuchtet das Buch die Hintergründe der
Verfolgung ebenso wie das Ringen um ein angemessenes Gedenken.

 

Müller-Hohagen: Wagnis SolidaritätMüller-Hohagen, Jürgen; Müller-Hohagen, Ingeborg: Wagnis Solidarität.
Zeugnisse des Widerstehens angesichts der NS-Gewalt. – Gießen:
Psychosozialverlag 2015

In der
NS-Zeit wurde mitmenschliche Solidarität mit brutaler Gewalt zerstört. Die
Folgen reichen bis in die Gegenwart. Menschen, die das Wagnis eingingen,
politischen Widerstand gegen die NS-Gewalt zu leisten, sind immer noch zu
selten Thema des öffentlichen Diskurses. Ihr Mut, ihre Solidarität und ihr
Einsatz für Humanität wurden bisher nur partiell gewürdigt, ihre modellhafte
Bedeutung für Gegenwart und Zukunft noch zu wenig erkannt.

Der Fokus des vorliegenden Buches liegt daher auf Lebenszeugnissen ehemaliger
KZ-Häftlinge, die im Sinne ihrer Überzeugung widerstanden und Solidarität geübt
haben. Ingeborg und Jürgen Müller-Hohagen befassen sich mit den Langzeit- und
transgenerationalen Folgen der Zerstörung mitmenschlicher Solidarität. Sie
beleuchten den nach 1945 eingetretenen, in West- und Ostdeutschland sehr
unterschiedlich akzentuierten Prozess des „Vergessens“ und berichten auch von
ihren eigenen Erfahrungen aus Psychotherapie, Beratung und Schule mit dem Ziel,
einen Bogen zu heutigen Herausforderungen zu spannen und einen Beitrag zu einer
noch stärker von Solidarität bestimmten Gesellschaft zu leisten.

 

tl_files/images/aktuelles/Newsletter/Ausgabe 7 April 2016/Internationales Mahnmal Nandor Glid.jpg

Riedle, Andrea; Schretter, Lukas (Hrsg.): Das Internationale Mahnmal von Nandor Glid / The International Monument by Nandor Glid. Idee, Wettbewerbe, Realisierung / Idea, Competitions, Realization; Katalog zur Sonderausstellung / Catalog of the special exhibition. – Berlin: Metropol 2015

Das Internationale Mahnmal ist der zentrale
Gedenkort in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Es wurde in den 1950er Jahren vom
Comité International de Dachau (CID), der Vereinigung von Überlebenden des
Konzentrationslagers, initiiert. Zur Realisierung des Mahnmals führte das CID
in den Jahren 1959 und 1965 zwei internationale Gestaltungswettbewerbe durch,
die der jugoslawische Künstler Nandor Glid mit seinem Entwurf einer großen
Mahnmalanlage und einer zentralen Bronzeskulptur gewann. Die Einweihung, die
von Studentenprotesten und tätlichen Auseinandersetzungen überschattet war,
fand am 8. September 1968 statt.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung
eröffnete die KZ-Gedenkstätte Dachau im Jahr 2015 eine Sonderausstellung zur
Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Internationalen Mahnmals. Im Zentrum
der Ausstellung und des Katalogs stehen wichtige Kunstwerke von Nandor Glid,
der sich ein Leben lang künstlerisch mit Widerstand und Verfolgung im
Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat. Zudem werden bislang weitgehend
unbekannte Wettbewerbsbeiträge von Bildhauern und Architekten aus England, Frankreich,
Deutschland, Österreich und dem ehemaligen Jugoslawien präsentiert. Ergänzend
erläutern Pläne und Fotografien die Gestaltung des Mahnmals.

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