Literarturtipps – Newsletter 4 – 2012

Literarturtipps

Benz, Wolfgang; Distel, Barbara; Königseder, Angelika
(Hrsg.): Nationalsozialistische Zwangslager. Strukturen und Regionen; Täter und
Opfer. Dachau: Verlag Dachauer Hefte; Berlin: Metropolverlag 2011

Die
nationalsozialistischen Konzentrationslager sind im Wesentlichen erforscht und
dargestellt. Die Dachauer Hefte, die 1985–2010 als Periodikum erschienen, haben
als zentrales Organ der KZ-Forschung dabei eine wichtige Rolle gespielt. Aber
jenseits der formalen Definition des KZ als einer Haftstätte unter der
zentralen Hoheit der Inspektion der Konzentrationslager in Oranienburg bzw. des
SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes in Berlin existierten zahllose weitere
Zwangslager, die in gleicher oder ähnlicher Weise Stätten
nationalsozialistischen Terrors waren und von den darin Gefangenen als „KZ“
empfunden wurden. Das galt für die rund 200 „Arbeitserziehungslager“ wie für
„Polizeihaftlager“ oder „Erweiterte Polizeigefängnisse“ unter regionaler
Gestapo-Hoheit, für „Zwangsarbeitslager für Juden“, für „Zigeunerlager“, für
Ghettos und andere Haftstätten.

Die
Beiträge dieses Bandes beleuchten Probleme der Lagerwelt unter deutscher
Herrschaft, sie zeigen die Landschaft des Terrors und machen auf Desiderate der
Forschung aufmerksam.

KZ-Gedenkstätte Dachau (Hrsg.):
Blickwechsel: Vlasto Kopàč zeichnet das Konzentrationslager Dachau (1944-1945);
Essays und Katalog zur Ausstellung. Red.: Haibl, Michaela; Kufeke, Kay;
Hutzelmann, Barbara u.a. Dachau: KZ-Gedenkstätte Dachau 2012

Ausgangspunkt
der Ausstellung und dieser Begleitpublikation ist das einzigartige Konvolut an
miniaturhaften Zeichnungen des Slowenen Vlasto Kopàč, die er heimlich während
seiner Haftzeit im Konzentrationslager Dachau anfertigte. Auf kleinen
Papierblättern hielt er schonungslos den Lageralltag fest und porträtierte
seine Mitgefangenen.

Der
Katalog beinhaltet das Gesamtwerk dieser fast 80 Zeichnungen in hochwertigen
Abbildungen und bietet Hintergrundinformationen zum Leben Vlasto Kopàčs.

Essays
zur slowenischen Häftlingsgruppe im KZ Dachau, den Dachauer Prozessen im
Nachkriegsjugoslawien und der Sammlung künstlerischer Arbeiten aus
Konzentrationslagern und Gefängnissen im Museum für Neuere Geschichte in
Ljubljana komplettieren den Band.

Ullrich, Christina: „Ich fühl‘ mich
nicht als Mörder“: Die Integration von NS-Tätern in die Nachkriegsgesellschaft.
Darmstadt: WBG 2011 (Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der
Universität Stuttgart; Bd. 18)

Dass
viele NS-Täter nach dem Zusammenbruch des 3. Reichs beruflich wieder Fuß fassen
konnten, ist einer der wunden Punkte der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Als
gegen Ende der 1950er Jahre nach und nach gegen sie ermittelt wurde,
präsentierten sich den Ermittlern vollständig integrierte und sozial
reetablierte Bürger. Dieser Skandal wurde bisher nur summarisch und strukturell
untersucht. Christina Ullrich hingegen verfolgt in ihrem Buch erstmals die
konkreten Biografien von SS-Führern der mittleren Charge, die direkt am
Holocaust beteiligt waren. Dabei geht es ihr weniger um die Verbrechen vor
1945, sondern um die Nachkriegslebensläufe der Täter – bis zu ihren
Gerichtsprozessen. Sie stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, wie die Täter
wieder in die Gesellschaft integriert wurden und wie sich ihre neuen Karrieren
gestalteten. Anhand 19 beispielhafter Lebensläufe zeichnet sie ein Bild der
Integration von NS-Tätern nach, welches ohne weiteres als Schablone für andere
Fälle dienen kann.

Göttler, Norbert: Leben mit dem Schatten. Mit Bildern von Klaus Eberlein. München: Verlag Sankt Michaelsbund 2011 (Literarische Broschüre; Bd. 18)

Kann Dachau jemals wieder Heimatstadt sein? Kann Deutschland jemals wieder Heimatland sein? Meine Antwort lautet: Ja, sie können es. Sie können es aber nur, wenn wir nicht aufhören zu erzählen, was gewesen ist…
Norbert Göttler wuchs in unmittelbarer Nähe der KZ-Gedenkstätte Dachau auf und lebt noch heute dort. Seine Erzählungen und Erinnerungen kreisen um diesen Ort des Terrors. Er schildert Opfer, Täter und Mitläufer bis in die eigene Familiengeschichte hinein.

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