Graphic-Novel-Projekt mit dem P-Seminar „Gedenkstättenpädagogik“ des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau

Aufnahme einiger Comics zum Thema Nationalsozialismus

2021 entstand die Idee, das P-Seminar gemeinsam mit der Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau zu gestalten. Nach ersten Gesprächen entschieden die Pädagog/-innen Christian Stähler (Josef-Effner-Gymnasium Dachau) und Wiebke Siemsglüß (KZ-Gedenkstätte Dachau), den Fokus auf das Themenfeld „Erinnerungskultur und Comics“ zu legen. Schon seit einigen Jahren setzt sich die Bildungsabteilung der Gedenkstätte mit dem Medium Comic in der historisch-politischen Bildungsarbeit auseinander und bietet in diesem Rahmen für Jugendliche und junge Erwachsene den Workshop „Comic Memories. Das KZ Dachau im Comic“ an.

Nach der Konzeptionsphase verstärkte das NS-Dokumentationszentrum München als Experte für den Umgang mit der NS-Vergangenheit in München das bisherige Team. Gemeinsam wurden Exkursionen u.a. in das NS-Dokumentationszentrum und an die KZ-Gedenkstätte Dachau organisiert. Diese legten den Grundstein für weitere inhaltliche Vertiefungen zu den Themen Erinnerungskultur und Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland nach 1945. Die Schüler/-innen machten sich darüber hinaus mit Comics vertraut, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzen.

Aufbauend auf diesen historischen Kenntnissen begannen die Teilnehmenden in Kleingruppen eigene Graphic Novels zu entwickeln. Unterstützt wurden die Schüler/-innen in der künstlerischen Umsetzung durch den Comic-Künstler Dominik Wendland. Im Zentrum standen verschiedene Lebenswege von Häftlingen, die das Konzentrationslager Dachau überlebt haben. Hierbei wurde von Gedenkstättenseite besonders darauf geachtet, Biografien ehemaliger Häftlinge auszuwählen, die nach der Befreiung des Lagers im April 1945 erst Jahre bzw. Jahrzehnte später offiziell als Verfolgte des NS-Regimes anerkannt wurden.

So arbeiteten einige der Teilnehmenden zu Vlasto Kopàč (1913-2006) aus dem heutigen Slowenien. Er kämpfte in seinem Land gegen die deutsche Besatzung, wurde festgenommen und in das KZ Dachau deportiert. Nach der Befreiung des Lagers kehrte er in seine Heimat zurück und wurde dort – wie viele andere Holocaust-Überlebende – im Rahmen der stalinistischen Säuberungen vor Gericht gestellt. Basis dieser Prozesse war der Vorwurf, zu wenig Widerstand geleistet zu haben. Nur hierdurch hätten die Beschuldigten die Konzentrationslager überleben können und hätten deshalb in letzter Konsequenz das NS-System ein stückweit mitgetragen.

Georg Tauber (1901-1950) wurde auf Grund seiner Morphinsucht und der daraus resultierenden Beschaffungskriminalität in das KZ Dachau deportiert. Von der SS in die Häftlingskategorie der „Asozialen“ eingestuft, kämpfte er nach der Befreiung des Lagers um die Anerkennung dieser Häftlingskategorie als NS-Opfer.

Jakob Bamberger (1913-1989) wurde als deutscher Sinto verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Nach 1945 setzte er sich dafür ein, Sinti und Roma als Verfolgte während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft anzuerkennen. 1980 initiierte er einen Hungerstreik in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, um auf die bestehende Marginalisierung und fehlende Anerkennung seiner Opfergruppe hinzuweisen.

Eine weitere Gruppe von Schülerinnen und Schülern setzte sich mit den Häftlingen auseinander, die wegen ihrer Homosexualität von den Nationalsozialisten verhaftet und in Konzentrationslager deportiert worden waren. Die juristische Grundlage der NS-Verfolgung bildete der §175 des deutschen Strafgesetzbuches, der erst im Jahr 1994 endgültig gestrichen wurde

Unser besonderer Dank gilt den Schülerinnen und Schülern, die an diesem Projekt teilgenommen und die Comics mit viel Engagement entwickelt und umgesetzt haben.

Zurück