Dachauer Prozesse

Die „Dachauer Prozesse“ (November 1945 – August 1948) waren Teil der größten juristischen Aufarbeitungsanstrengung von Kriegs- und Menschheitsverbrechen in der Geschichte der USA, welche auch in der deutschen Geschichte nachhaltige Spuren hinterlassen hat. In insgesamt 489 Verfahren waren 1.672 Personen wegen Kriegsverbrechen sowie Misshandlungen und Tötungen von Zivilpersonen und Militärangehörigen der USA und der mit ihnen während des Zweiten Weltkriegs verbündeten Nationen angeklagt. Neben dem Internationalen Militärtribunal, das am 20. November 1945 in Nürnberg gegen 22 führende Repräsentanten der NS-Herrschaft begann, und den daran anschließenden zwölf Nürnberger Nachfolgeprozesse gegen weitere 185 Angeklagte, waren die Dachauer Prozesse die „dritte Säule“ des US War Crimes Program.

Außenansicht des Hauptgebäudes der Dachauer Prozesse, November 1945, ©USHMM

Hören Sie dazu den Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau, Dr. Christoph Thonfeld.

Die in Dachau verhandelten Straftaten betrafen zum größten Teil Verbrechen in Konzentrationslagern, deren 1.021 Angeklagte beschuldigt wurden. Sechs große Hauptverfahren wurden gegen Angehörige des Lagerpersonals und Funktionshäftlinge der KZ Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mauthausen und Mittelbau-Dora sowie des Dachauer Außenlagerkomplexes Mühldorf geführt. An diese Prozesse schlossen sich zahlreiche Folgeprozesse an, von denen über 100 gegen weitere ca. 500 Angeklagte die Verbrechen im KZ Dachau behandelten. Eine besondere Rolle spielte der Hauptprozess gegen 40 Angeklagte des Dachauer SS-Personals sowie Häftlingskapos, der als sog. ‚Parent Case‘ den Rahmen der Anklage und Beweisführung und damit der Zuschreibung individueller Schuld und Verantwortung, für die Folgeverfahren absteckte.

Das Gericht vereidigt einen russischen General als Zeugen im Dachau-Prozess, im Hintergrund die Bank der Angeklagten, November 1945, ©KZ-Gedenkstätte Dachau

Anna O’Connell, ehemalige Freiwillige der KZ-Gedenkstätte Dachau, stellt dazu in den Beiträgen beispielhaft drei Biografien vor, die einen Querschnitt der Angeklagten in den Dachauer Prozessen abbilden sollen.

Während der „Nürnberger Prozess“ mittlerweile ein globaler Erinnerungsort geworden ist und dessen zwölf Nachfolgeprozesse zumindest einer interessierten Öffentlichkeit geläufig sind, stehen die Dachauer Prozesse weiterhin im Schatten von Nürnberg. Mit einer geplanten Sonderausstellung in 2021 sollen sie als historisches Geschehen aus dem weitgehenden Vergessen zurückgeholt, der Öffentlichkeit in zeitgemäßer Form nahegebracht und somit angemessen gewürdigt werden.

Prof. Dr. Klaus Schilling bei der Vernehmung während des Dachau-Hauptprozesses (sitzend), weiterhin zu sehen sind der leitende Ankläger William D. Denson (Mitte) und der Dolmetscher Werner Conn (rechts), November 1945, ©USHMM

Zur geplanten Sonderausstellung der Dachauer Prozesse wird es in Kürze weitere Audiobeiträge geben.

Die Audio-Beiträge wurden eigens für die Rubrik „Dachauer Ton-Spuren“ produziert.