Das Jourhaus

Das Jourhaus im KZ Dachau war der Ein- und Ausgang des Häftlingslagers, von der SS offiziell „Schutzhaftlager“ genannt. Es trennte das Häftlingslager vom SS-Bereich und beherbergte Diensträume der Lager-SS und der Politischen Abteilung. Häftlinge mussten das Gebäude 1936 im Zuge der Neuerrichtung des Lagers bauen.

Der Begriff „Jourhaus“ stammt aus dem militärischen Sprachgebrauch. „Jour“ ist das französische Wort für „Tag“. Folglich war im Jourhaus der Tagesdienst untergebracht. Die diensthabende Lagerleitung wies den Häftlingen ihre Arbeit zu, kontrollierte die Baracken, beantragte Strafen und teilte die Wachmannschaften für die Gefangenen ein. Aus der Sicht der Häftlinge war das Jourhaus das Machtzentrum der SS.

Seit 2005 ist der Zugang zur Gedenkstätte durch das ehem. Jourhaus möglich (Foto: KZ-Gedenkstätte Dachau)

Alle neu eintreffenden Gefangenen passierten das schmiedeeiserne Tor des Jourhauses mit der Inschrift „Arbeit macht frei“. In diesem Spruch spiegelte sich die verharmlosende NS-Propaganda wider, die darauf abzielte, die Konzentrationslager als „Arbeits- und Erziehungslager“ darzustellen. Zudem zeigte sich darin die menschenverachtende Haltung gegenüber den Häftlingen, denn Zwangsarbeit war ein Mittel der Vernichtung und des Terrors der SS.

 

Pressetermin auf dem ehemaligen Appellplatz: Die Schlupftür mit der historischen Inschrift “Arbeit macht frei” wird zum Fotografieren aufgerichtet. Die Tür ist verrostet. Neben der Tür stehen Jean Michel Thomas, der Präsident des CID, Stiftungsdirektor Karl Freller und Kulturminister Dr. Ludwig Spaenle.

Pressetermin zur Rückkehr des historischen Schlupftores (KZ-Gedenkstätte Dachau)

Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 nutzte die amerikanische Militärregierung das Gebäude weiter, seit 1965 ist es Teil der in diesem Jahr gegründeten Gedenkstätte. Der Zugang zum ehemaligen Häftlingslager für Besucher/-innen der Gedenkstätte ist seit 2005 wieder durch das historische Lagertor möglich, sodass der Weg der Häftlinge heute wieder nachvollzogen werden kann. In der Nacht zum 2. November 2014 stahlen Unbekannte die historische Schlupftür mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ aus dem Tor des Jourhauses. Die Tür tauchte erst über zwei Jahre später in Norwegen wieder auf. Zwischenzeitlich wurde das historische Tor durch eine Replik ersetzt, das Original befindet sich seit 2017 in der Dauerausstellung im ehemaligen Wirtschaftsgebäude.

Weitere Informationen zum Jourhaus und seiner Funktion können Sie in dieser Ton-Spur hören:

Erinnerungen von Edgar Kupfer-Koberwitz

Am 11. November 1940 wurde Edgar Kupfer-Koberwitz in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Er stammte ursprünglich aus Niederschlesien und hatte sich nach einer ersten Flucht nach Frankreich im Jahr 1937 auf der italienischen Insel Ischia niedergelassen. Dort war er aufgrund des Vorwurfes, sich negativ über das deutsche und das italienische Regime geäußert zu haben, als politischer Gegner verhaftet worden. Im KZ Dachau musste Edgar Kupfer-Koberwitz in den außerhalb des Stammlagers gelegenen Präzifix-Werken – einer Schraubenfabrik – arbeiten. Hier gelang es ihm, unbemerkt Aufzeichnungen über seine Zeit im Lager anzufertigen sowie ein heimliches Tagebuch zu führen. In einem Versteck unter dem Fußboden der Fabrik überdauerten die Schriftstücke die Befreiung und wurden erstmals 1957 stark verkürzt unter dem Titel „Die Mächtigen und die Hilflosen“ veröffentlicht. 1997 wurden die „Dachauer Tagebücher“ schließlich in ungekürzter Version der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Edgar Kupfer-Koberwitz verstarb 1991 in Stuttgart.

Hören Sie in der nachfolgenden Audio-Datei Edgar Kupfer-Koberwitz‘ Erinnerungen an seine Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau am 11. November 1940:

Der Tonbeitrag ist Teil des Audioguides der KZ-Gedenkstätte Dachau, der im Besucherzentrum entliehen werden kann.

Der Einlieferungsprozess ins Konzentrationslager Dachau wurde vor Kurzem in einem Live-Rundgang thematisiert, der auf unserem YouTube-Kanal zu finden ist.