Franz Brückl und seine Erinnerungen an das Lager

geboren am 28. April 1910 in Posen

gestorben am 22. Februar 1999 in München

Franz Brückl wurde 1910 in Posen unter dem Namen Franz Przybylski geboren. Er wuchs in polnischen und deutschen Waisenhäusern auf und war gelernter Schmied und Schlosser. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen war Brückl Mitglied des polnischen Roten Kreuzes. Er nutzte seine Stellung, um Landsleuten zu helfen, die vor der Wehrmacht auf der Flucht waren. Außerdem schmuggelte er Lebensmittel und Informationen. Im April 1940 wurde er deswegen verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort wurde Franz Brückl der „Kiesgrube“ zugeteilt, was unter anderem als eines der kräftezehrendsten Arbeitskommandos galt.

Im Juli 1944 wurde er zusammen mit einhundert anderen Häftlingen für ein „Bombensuchkommando“ nach München gebracht. In Kleingruppen aufgeteilt mussten Franz Brückl und seine Kameraden Blindgänger beseitigen oder entschärfen. In seinen späteren Zeitzeugengesprächen schilderte er die Angst, die er bei der ersten Bombenentschärfung empfand und das Gefühl, dem Tod sehr nahe zu sein. Im Lauf der nächsten drei Monate entschärfte er unter Einsatz seines Lebens insgesamt 246 Blindgänger. Laut Franz Brückls Erzählungen starben pro Tag durchschnittlich 15 Kameraden – entweder bei der Explosion eines bereits entfernten Blindgängers oder beim Entfernen des Zünders. Bis 22 Uhr abends wurde die Hundertschaft mit anderen Inhaftierten aus dem Konzentrationslager Dachau wieder nachbesetzt. Nach drei Monaten war für Franz Brückl der Einsatz im Bombensuchkommando beendet. Er wurde wieder in das Stammlager in Dachau verlegt und erlebte die Befreiung des Konzentrationslager Dachau durch US-Truppen am 29. April 1945.

Franz Brückl (in der Mitte, auf einem Blindgänger sitzend) als Teil des Bombenräumkommandos bei Schleißheim (KZ-Gedenkstätte Dachau)

Nach der Befreiung entschied sich Franz Brückl dazu in München zu bleiben. Er heiratete eine Münchnerin, nahm ihren Nachnamen Brückl an und bekam mit ihr einen Sohn. Franz Brückl besuchte regelmäßig die KZ-Gedenkstätte Dachau und berichtete in Schulen von seinen Erfahrungen. Den Zuhörer/-innen blieben dabei vor allem seine Schilderungen von den Strafmaßnahmen im Konzentrationslager und die damit verbundene Willkür im Gedächtnis. Franz Brückl erklärte dies folgendermaßen: An einem Tag konnte ein Inhaftierter aufgrund verschmutzter Schuhe mit der Begründung, nicht auf SS-Eigentum Acht gegeben zu haben, bestraft werden. An einem anderen Tag konnte der gleiche Inhaftierte aufgrund sauberer Schuhe mit dem Vorwurf, nicht hart genug gearbeitet zu haben, ebenfalls bestraft werden. Er selbst musste aufgrund eines fehlenden Jackenknopfes die Strafmaßnahme „Baumhängen“ durchleiden.

Franz Brückl verstarb im Alter von 88 Jahren am 22. Februar 1999. Nach freundlicher Überlassung seines Sohnes Günter befindet sich ein Teil seines Nachlasses in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die sich darunter befindlichen handgeschriebenen Dankesbriefe zeigen deutlich, wie Franz Brückl mit seiner Geschichte unzählige Menschen in seinen Zeitzeugengesprächen erreicht und bewegt hat.

 

Franz Brückl war auch Thema des Live-Rundgangs vom 28. April, der auf unserer Facebook-Seite abrufbar ist.

Die Beiträge sind Teil des Audioguides der KZ-Gedenkstätte Dachau, der im Besucherzentrum entliehen werden kann.