Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung

 |  29.04.2022

Der ehemalige Häftling Michael Pellis identifiziert im Dachau-Hauptprozess den Angeklagten Franz Böttger [United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C.]

 

 

Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit einem der größten einzelstaatlichen juristischen Aufarbeitungsprogramme von NS-Verbrechen auseinanderzusetzen, das allzu lange im Schatten der bekannteren Nürnberger Prozesse stand. In der Ausstellung werden die Voraussetzungen der Verfahren beleuchtet und ihre Durchführung sowie das Erreichte offen bilanziert. Die seinerzeit diskutierten Fragen nach Gerechtigkeit und einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit beschäftigen uns bis heute.

 

Schlange vor dem Gerichtsgebäude [United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C.]

 

„Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung“

Wie kann man Gerechtigkeit herstellen? Wer kann für Massenverbrechen verantwortlich gemacht werden? Derartigen Fragen sahen sich die amerikanischen Befreier deutscher Konzentrationslager 1945 gegenüber. Auch im und um das KZ Dachau stand die US-Armee vor einer apokalyptischen Situation: Leichenberge sowie Überlebende, die sich physisch und psychisch vielfach an der Grenze zum Tod befanden. Welches Recht konnte auf die Massenverbrechen im KZ Dachau und den anderen von der US-Armee befreiten Lagern angewendet werden?

Geborgene NS-Dokumente, Zeugenaussagen der Überlebenden sowie umfangreiche Vernehmungen von Tatverdächtigen schufen die Grundlage für die Dachauer Prozesse (1945 –1948). Hier wurden auch Verbrechen, die außerhalb der Lager an gefangen genommenen alliierten Soldaten und Zivilpersonen begangen worden waren, verhandelt. Die Sonderausstellung „Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung“ zeigt die Tatorte der Verbrechen, informiert über die rechtlichen Grundlagen, stellt Gerichtspersonal, Angeklagte und Zeugen vor und gibt einen Überblick über einzelne Verfahren und deren Folgen. Auch die breite mediale Resonanz der Verfahren wird thematisiert. Die Ausstellung setzt sich mit einem der größten NS-Verfahrenskomplexe auseinander, der immer noch im Schatten der bekannteren Nürnberger Prozesse steht. Die seinerzeit diskutierten Fragen nach Gerechtigkeit und dem Umgang mit der Vergangenheit sind bis heute aktuell.

Georg Tauber, Zeichnung des Vollzugs der Prügelstrafe, Bleistift und Aquarell, 1945 [Privatbesitz Lisa und Simon Gobmeier, Tobias Hofer, München/Berlin]

 

 

Ort     Sonderausstellungsraum der KZ-Gedenkstätte Dachau

Ab 29. April 2022, täglich geöffnet von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

 

 

Bildnachweis Titelbild: Der ehemalige Häftling Michael Pellis identifiziert im Dachau-Hauptprozess den Angeklagten Franz Böttger [United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C.]